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Impuls der Woche

Jeden Samstag ein neuer Impuls! Oft orientiert sich der Impuls an den Lesungen des betreffenden Sonntags, manchmal ist er aber auch einfach ein Impuls, der spontan aus dem Herzen kommt.

Impuls vom 04.07.2020 "Eine Oase der Barmherzigkeit" von Karin Stump

(Sach 9, 9-10;   Mt 11, 25-30 )

Leichtigkeit, Ruhe, Freude und Frieden – wer sehnte sich nicht danach. Viele kurzfristige Erlebnismöglichkeiten werden dazu auf dem Markt angeboten, versprechen Spaß, Abenteuer, intensives Erleben. Ist das unsere Rettung? Wohl eher kurzweiliges Vergnügen. Umfassender Friede oder Seelenheil sind dagegen schwer zu haben, schon gar nicht zu kaufen oder zu machen. Aber genau Frieden für die Völker und Ruhe für die Seele – das verheißt Jesus Christus.

„Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig. Er verkündet für die Völker den Frieden.“ Die prophetischen Worte der Lesung richteten sich an die Israeliten im babylonischen Exil. Der Prophet weiß: Gott kann nicht mit ansehen, wie sein Volk verkümmert. So sagt er ihm wieder seine Nähe und Hilfe zu und verspricht darüber hinaus Frieden „für die Völker“.

Als Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzieht, sehen seine Freunde diese Verheißungen erfüllt.

Die Zeit des Friedens ist schon da, trotz allen Unfriedens. Wenn wir uns am Ende fühlen, kann Gott mit uns anfangen! Wenn wir heimatlos sind, kann Gott uns Heimat werden. Wenn wir schuldig geworden sind, kann Gott uns vergeben.

Jesus kannte die unzähligen Gesetzesvorschriften der Schriftgelehrten damals, die für einfache Menschen so schwer einzuhalten waren. Er weiß um die Alltagsbeschwernisse heute. Jesus lädt ein, Lasten abzulegen. Jesus ordnet die Gebote von innen her neu. Im Zentrum steht: Barmherzigkeit.

Bin ich nicht auch manchmal so eine Kluge, die andere ausgrenzt? Wo muss ich meine Haltung ändern? Und die Kirche? Legt sie nicht Menschen Lasten auf durch theologische Prinzipien, kirchliche Gebote und Vorschriften? Wie steht es um Großmut, um Barmherzigkeit in unseren Gemeinschaften?

Zuweilen legen wir uns auch selbst strenge Regeln auf. Da tut Jesu Ruf einfach gut. Er ist wie eine Oase der Barmherzigkeit.

Barmherzig anderen Raum geben, Last abnehmen. Und die Klugen und Unbarmherzigen auch mal konfrontieren. So bringt Jesus Frieden.

Karin Stump

Impuls vom 27.06.2020 "Was für ein Kreuz mit dem Kreuz!" von Stefan Tausch

‚Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.‘ (vgl. Mt 10,38)  Für viele bedeutet das Kreuz Christi Ärgernis, Last und Irritation. Viele möchte es abschütteln und ausblenden, weil es vermeintlich nicht zur ‚frohen Botschaft‘ passt. Nicht wenige betrachten es als brutales Folterinstrument und nicht als befreiendes PLUS-Zeichen, das Himmel und Erde verbindet. Dazu einige wenige sehr deutliche Worte von Papst Franziskus: ‚Derselbe Petrus (…) sagt zu ihm (Jesus): Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Ich folge dir, aber sprich mir nicht vom Kreuz. Das tut nichts zur Sache. Ich folge dir mit anderen Möglichkeiten, ohne das Kreuz. – Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.‘ (Papst Franziskus, Predigt an die Kardinäle am 14. März 2013 in der Sixtinischen Kapelle) <zitiert aus: Schott-Messbuch für die Sonn- und Festtage des Lesejahres A, 2019, Herder, S. 515f>

Wie wir es auch drehen und wenden: Das Wort vom Kreuz war, ist und bleibt vielen ein Kreuz, ein Rätsel – ein ‚Kreuz-Worträtsel‘. Schon der hl. Paulus wusste darum: ‚Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Heiden, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.‘ (1 Kor 1, 22-24)

Der Franziskanermönch Bruder Helmut Schlegel OFM komponierte in Erinnerung an die Berufungsgeschichte seines Ordensgründers vor dem Kreuz in der kleinen Kirche St. Damiano in Assisi dazu vor einigen Jahren das nachfolgend zitierte Lied:

 1) Ein Kreuz durchkreuzte seine Pläne, durchkreuzte seine Träume,
vom Kreuze her sprach Er das unerhörte Wort:

Franziskus, baue meine Kirche auf, sie ist zerfallen und entstellt,
verlasse dich und traue deinem Gott, dein Glaube verwandelt die Welt.

2) Ein Kreuz durchkreuzte seine Fragen, durchkreuzte all sein Suchen,
vom Kreuze her wies Er ihm einen neuen Weg:

Franziskus, baue meine Kirche auf, vom Reichtum ist sie ganz entstellt.

Sei arm wie ich und gehe meinen Weg, deine Hoffnung verwandelt die Welt.

3) Ein Kreuz durchkreuzte seine Hände, durchkreuzte seine Füße,
vom Kreuze her traf Er sein ungeschütztes Herz:

Franziskus, baue meine Kirche auf, sie ist gespalten und entstellt.

Trag ihre Wunden, halte bei mir aus, deine Liebe verwandelt die Welt.

4) Ein Kreuz durchkreuzt auch deine Wege, durchkreuzt auch deine Schritte;

vom Kreuze her fragt Er dich heute wieder an:

Baust du heut mit mir meine Kirche auf? Sie ist von Zweifeln ganz entstellt.

Hab Mut und leb‘ das Evangelium, dein Anfang verwandelt die Welt.

 ‚Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.‘ (vgl. Mt 10,38)  Ein damals wie heute provokantes Wort Jesu, an dem sich die Geister zu allen Zeiten schieden und scheiden: ‚Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft.‘ (1 Kor 1,18)

Impuls vom 20.06.2020 "Von Spatzen und Würde" von Stefan Kaiser

(Evangelium Mt 10,26-33)

Der Zusammenhang zwischen einem gewöhnlichen Spatz und der Würde ist etwas, was damals zur Zeit Jesu wie heute ein wichtiges Thema ist. Denn der entscheidende Satz, der die Wichtigkeit dieses Zusammenhangs unterstreicht, ist in Mt 10,26 zu finden: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“.

Jesus weiß darum, dass wir damals wie heute am meisten Angst vor den Menschen haben müssen. Es ist kein Relikt vergangener Tage, dass Menschen sich vor Menschen fürchten müssen, wenn sie eine bestimmte Religion ausüben, wenn sie einem bestimmten Volk angehören oder eine gegenüber dem Mainstream eigentümliche Lebensweise führen.

Im Gegenteil, heute scheint die Furcht und auch die Wut noch größer zu sein als in den vermeintlich barbarischen Zeitaltern längst vergangener Jahrhunderte. In unseren heute so hoch kultivierten und humanisierten Gesellschaften müssen sich immer noch viele Menschen vor anderen Menschen fürchten.

Wie viele schwarze Menschen haben in Amerika aber auch anderswo auf der Welt Angst um ihre Rechte? Wie viele Juden haben weltweit Angst vor einem wieder aufflammenden Antisemitismus – auch hier in Deutschland? Wie viele Menschen nehmen wieder Begriffe wie „Rasse“, „Untermenschen“ oder „Neger“ in den Mund? Wie viele folgen der AfD und ihrer Diskriminierung nach ethnischen Kriterien. Viele Homosexuelle oder transsexuelle Menschen werden hier zulande und weltweit immer noch diskriminiert und ihre sexuelle Orientierung als krankhaft abgetan – auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche.

Und da sagt Jesus: „Fürchtet euch nicht vor den Menschen!“ Und hinzu kommt das Bild von dem Spatz. Spatzen sind wahrlich nichts Besonderes. Sie gibt es in Massen, deshalb sind sie kaum etwas wert. Sie stolzieren nicht wie Pfauen, können nicht sprechen wie Papageien, sind nicht so majestätisch wie Adler. Ihr Gefieder gibt nichts her, keinen Farbtupfer, nichts. Sie sind ganz und gar gewöhnlich.

Trotzdem wird kein einziger Spatz in den Augen Gottes vergessen. Trotzdem sind sie Gott alles wert! Sie sind und bleiben Geschöpf. Sie sind wertvoll in den Augen des Schöpfers. Sie verlieren nicht an Würde. Wenn es bei den Spatzen so ist, dann doch auch bei den Menschen.

In den Augen Gottes ist jedes seiner Geschöpfe unbezahlbar und würdevoll. Alle sind wertvoll in den Augen Gottes, egal was sie verdienen, egal welchen Beruf sie ausüben, egal ob systemrelevant oder ganz und gar irrelevant, egal ob weiß oder schwarz. Seine Geschöpfe verlieren niemals ihre Würde! Keiner kann und darf seinen Geschöpfen diese Würde nehmen.

Gott lädt dazu ein, immer und überall an die Würde des Menschen zu glauben und zudem verspricht er, dass er jedes Geschöpf immer würdevoll behandeln wird und jedem, der seiner Würde beraubt wurde, seine Würde wiederzugeben.

Wer an Gott glaubt, der muss an die Würde eines jeden Menschen glauben. Wer an Gott glaubt, muss im Gesicht der Menschen und der Geschöpfe erkennen, dass dort jemand oder etwas ist, der/das vom Scheitel bis zur Sohle geliebt ist, ein wertvolles Geschöpf, dessen Haare von Gott gezählt sind. Egal ob es der Bettler an der Kirchentür ist, der Drogenabhängige an der U-Bahnhaltestelle Stadtgarten oder mein Ehemann, meine Ehefrau, oder das Mastschwein in unserer Fleischproduktion.

Gott hält uns immer wieder an, den Standard der Nächstenliebe, der Barmherzigkeit, der gegenseitigen Anerkennung der Würde beizubehalten, dafür einzutreten und keine Furcht zu zeigen.

So möchte ich mit einem Satz schließen, den Ferdinand von Schirach aus einem alten englischen Gerichtsurteil über die Würde der Menschen zitiert:

„Wir werden häufig dazu gezwungen, Standards aufzustellen, die wir selbst nicht erreichen, und Regeln festzulegen, die wir nicht selbst befriedigen können… Es ist nicht notwendig, auf die schreckliche Gefahr hinzuweisen, die es bedeutet, diese Grundsätze aufzugeben.“ (zitiert nach Ferdinand von Schirach, Die Würde ist antastbar. Essays, 5. Aufl., München 2000, 17)

Impuls vom 13.06.2020 "Vollmacht" von Karin Stump

(Ex 19, 2-6a;  Mt 9, 36 – 10, 8)

Wem geben Sie eine Vollmacht? Zum Beispiel für Ihre Bankangelegenheiten oder für den Fall, dass einmal eine Betreuung von Nöten wäre? Diese Person wählen Sie sicherlich genau aus. Das ist schließlich Vertrauenssache.

Mit Vollmacht oder voller Macht – so erleben wir manchmal Personen, denen diese Macht qua Amt zukommt, oder die diese Macht ergreifen – oder eine innere Autorität ausstrahlen.

Jesus sieht erschöpfte Menschen, die die Auflagen der damaligen jüdischen Obrigkeit nicht erfüllen können und sich von Gott verlassen oder verstoßen fühlen. Diese Menschen sind für Jesus wie ein Erntefeld, um das er sich sorgen will. Ihnen zuerst gilt: „Das Himmelreich ist nahe!“ Jesus kehrt die Verhältnisse um, spricht gerade den Menschen Gottes Nähe zu, denen sie nach gängigem Denken ferne scheint.

Dazu wählt Jesus 12 Jünger aus und gibt ihnen „Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.“

Wie gut wäre es, wenn das gelingen könnte, alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Im Moment denken wir besonders an Corona. Aber es gibt noch so viele andere Krankheiten. Und es gibt die seelischen Leiden, die durch das Virus ausgelöst oder verstärkt wurden. Es fehlen physische Kontakte. Auch Gewalttaten sind gestiegen. Frauenhäuser verzeichnen Nachfrage. – Das sind Erntefelder heute.

Das Bild der Ernte steht auch für das Gericht Gottes. Gott wird scheiden, ent-scheiden darüber, was gut und förderlich ist für sein Reich. Da gilt es falsches religiöses und soziales Verhalten abzustellen. Aufrichten, Gottes Nähe zusprechen, befähigen – so zeigt sich Gottes Menschenfreundlichkeit. Das gibt eine gute Ernte!  Für die bisherigen Unterdrücker und Ausbeuter ist das bedrohlich (wie etwa für die fleischverarbeitende Industrie, die zum Teil auf sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen beruht). Für die bislang zu kurz Gekommenen ist Gottes Gericht eine Freude, wie ein Erntefest!

Gottes Nähe zusprechen, Menschen aufrichten, das braucht es heute, wo viele Menschen ohne Ruhe und Ziel sind, in sozialen Nöten, einsam oder krank.

Jesus beauftragt seine Freunde zur Mitarbeit. Er praktiziert „empowerment“, Be-vollmächtigung – und Vertrauen.

Setzen wir an die Stelle der 12 Apostelnamen unsere eigenen Namen. Jesus ruft seine Jünger und Jüngerinnen heute: Gaby, Maria, Wolfgang, Andreas… Als Getaufte und Gefirmte oder Konfirmierte sind wir gestärkt, die Nöte unserer Mitmenschen, gerade der Schwächsten, zu sehen. In der Voll-macht Jesu sind wir gerufen, jede und jeder auf die eigene Weise, Menschen kreativ und befreiend zu begegnen: „Das Himmelreich ist nahe.“

Karin Stump

Impuls vom 06.06.2020 "Glauben" von Stefan Kaiser

Was für ein schönes Evangelium (Joh 3,16-18)! Welch schöne und ermutigende Grundaussagen! Gott liebt diese Welt. Jesus kommt, nicht um die Welt zu richten, sondern um sie zu retten. Uns wird ein liebender Gott verkündet, der uns alle retten will.

Der zentrale Schlüssel zu dieser Rettung ist jenes Verb, das am häufigsten in diesen drei Versen auftaucht, nämlich ganze vier Mal. Es ist das Verb: „glauben“.

Wenn ich mich jetzt jedoch auf den Westenhellweg stellen und den Menschen zurufen würde „Der Glaube wird dich retten“, würden die meisten wahrscheinlich kopfschüttelnd an mir vorbeigehen.

Viele Menschen würden wahrscheinlich sagen, dass sie an nichts glauben wollen, was sie nicht sehen können und „Glaube“ an sich sowieso eine mindere und unbegründete Art der Erkenntnis und heute nicht mehr zeitgemäß sei.

Aber das Wort „glauben“, welches das griechische Wort πίστις (pistis) meint und das auf das hebräische Wort אמן (aman) zurückgeht, steht für „vertrauen“ oder „sein Herz an etwas hängen“ oder „sich an oder in etwas festmachen“.

Dabei ist das Festmachen in oder an etwas eine essentielle Angelegenheit, die Leben gelingen lässt. Und die Dinge, in und an denen wir uns festmachen, sind nicht immer unbedingt Dinge, die wissenschaftlich begründbar sind oder je sein werden. Es sind oft Dinge, auf die wir vertrauen müssen oder die von unserem Herz bestimmt werden.

Diese Bedeutungen des Verbes „glauben“ werden von uns im Alltag unbewusst andauernd praktiziert. Und jene Situationen, in denen wir dieses Verständnis von „glauben“ nutzen, kann uns helfen zu verstehen, warum der Glaube unsere Rettung sein kann.

Ein aktuelles Beispiel, bei dem Menschen ihr Herz an etwas festmachen, wo der Glaube an eine Aussage Leben retten will und was skurriler Weise anscheinend nicht als in dieser Welt wissenschaftlich evident angesehen wird, ist der Ausspruch der aktuellen Protestbewegung in Amerika, die sich gegen Polizeigewalt richtet: „Black lives matter“ (Das Leben von Schwarzen zählt).

Ich finde es bestürzend, dass man das überhaupt sagen muss. Denn das impliziert, dass es nicht selbstverständlich ist und dass es auch anders sein könnte. Dass es genau so wahr sein könnte, dass schwarzes Leben nicht zählt.

Die Statistik über Polizeigewalt in Amerika gegen Schwarze und Hispanics zeigt, dass in Amerika anscheinend nicht jeder Mensch, nicht jeder Polizist so glaubt.

Ein Blick in die Geschichte von Amerika zeigt, dass der Glaube, dass Schwarze die gleichen Rechte haben wie Weiße, nicht immer ein Gegenstand war, an dem sich das Herz der Menschen hang. Die wenigsten machten sich an diesem Glauben fest.

Ein Blick in unsere eigene, deutsche Vergangenheit zeigt auch, dass die Würde aller Menschen ein recht neuer Glaube ist, an dem sich der Staat hängt.

Der Glaube an die Würde eines jeden Menschen, ein „Sich darin festmachen“, ein „sein Herz daran hängen“ kann der Schlüssel zur Rettung vieler sein und eventuell auch die eigene Rettung vor großem Unheil.

Und so gehen wir zurück zum christlichen Glauben und unserem Evangelium.

Christlich zu glauben heißt nicht, dass ich Glaubenssätze aufsagen und alles, was in der Bibel steht, naturwissenschaftlich erklären kann und muss oder blind jeder Aussage der Bibel unhinterfragt Wahrheit zugestehen muss.

Christlich zu glauben bedeutet, zu schauen, ob ich mein Herz an jenen Gott hängen möchte, der mir in Jesus Christus begegenet.

Das Angebot, das uns der christliche Glaube macht, ist, darauf zu vertrauen, dass da ein Gott ist, der uns liebt, der das Beste für uns möchte. Das Angebot des christlichen Glaubens ist es, dass da ein Gott ist, der uns zeigt, dass Liebe eine Kraft ist, die die Welt verändern kann. Es ist das Angebot, dass das Suchen des Göttlichen in meinem Nächsten zu einem wirklich würdevollen Umgang miteinander führt.

Es ist das Angebot unseres Gottes, sich in ihm und seiner Liebe festzumachen und damit heilsames, rettendes Leben für die Welt zu leben.

Und wenn wir versuchen wollen, aus dieser Perspektive heraus unser Leben zu gestalten, können wir bewusst das hebräische Wort für „glauben“ nutzen: nämlich Aman, beziehungsweise: Amen.

Ich glaube, dass der christliche Glaube, die christliche Perspektive auf diese Welt die Welt und unser Miteinander rettend und heilsam gestalten kann. Mache ich mein Herz daran fest, halte ich es für wahr; vertraue ich darauf, erfahre ich Rettung.

Der Glaube, also unser „Amen“, rettet.

 

Ihr Stefan Kaiser

Impuls vom 30.05.2020 "Der Heilige Geist – die göttliche Störung!" von Stefan Tausch

Isolierstation, Quarantäne, Kontaktsperre, Besuchsverbot! Wie in strengen Coronazeiten waren ‚die Jünger am Abend des ersten Tages der Woche aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen.‘ (vgl. Joh 20,19) Aus Angst also besser auf Nummer sicher gehen! Einigeln, abschotten, erinnern und trauern über die ‘gute alte Zeit mit Jesus’, als die Welt noch in Ordnung war: ‚Er war einer von uns, einer für uns. Er hatte uns angesteckt mit dem Feuer der Liebe. Und jetzt? Sein Kreuz, sein Tod durchkreuzte unsere Pläne. Jetzt sind wir angesteckt vom Angstvirus – Angst vor den Juden und im Grunde genauso viel Angst um uns selbst, um unser Leben, unsere Zukunft, unsere schöne Gemeinschaft. Alles bröckelt. Alles droht zusammenzufallen wie ein Kartenhaus.‘

Und dann überwindet der Auferstandene plötzlich und unerwartet ihre Isolation   hinter gut gesicherten und verbarrikadierten Türen: ‚Friede! Seid gesandt! Empfangt den Heiligen Geist!‘ (vgl. Joh 20, 19-22) Auf Rückzug und Resignation folgt jetzt der  dynamische Aufbruch weit hinaus über alle bisher wie auch immer gezogenen Grenzen. Katholisch im wahrsten Sinne des Wortes: weltweit, weltoffen, weltumfassend. Die frohe Botschaft des Auferstandenen überwindet sämtliche  Barrieren und alle Skepsis. Schluss mit aller Angst vor der  Ansteckungsgefahr des heiligen Geistes!

Ja, der heilige Geist überrascht, irritiert und ruft heraus aus alten Denkmustern – um des Lebens, um der Liebe, um des Friedens willen!

Darum lasst Euch vom heiligen Geist beunruhigen, unterbrechen und wachrütteln: Die beiden ‘Elemente’, die in der Pfingstgeschichte als die Begleiterscheinungen und Symbole des Heiligen Geistes erscheinen, Sturmwind und Feuer, sind die unheimlichsten unter allen Elementen, und sie lassen nichts, was sie ergreifen, an seinem Ort und in seinem Zustand. … Wer an den Heiligen Geist als die schöpferische Aktivität Gottes glaubt und in diesem Glauben um das Kommen dieses Geistes bittet, der muss wissen, dass er damit die göttliche Störung herbeiruft und sich dafür offen hält, dass Gott ihn stört in seinem ‘Besitz’, in seinen Gewohnheiten, auch seinen Denkgewohnheiten, wenn sie nicht mehr dafür taugen, ein Gefäß der heilsamen Unruhe und der aufregenden Wahrheit zu sein. Wer also bittet: ‘Komm, Heiliger Geist!’, muss auch bereit sein zu bitten: Komm und störe mich, wo ich gestört werden muss. (Schott-Messbuch für die Sonn- und Festtage des Lesejahres A, 2019, Herder, S. 339)

In diesem Sinne wünsche ich uns, unserer Zeit stürmisch-feurige Zeiten!

 

Impuls vom 23.05.2020 "Verherrlichung" von Stefan Kaiser

„Ich habe dich auf Erden verherrlicht.“ So betet Jesus in Joh 17,4.

Aber was meint „verherrlichen“? In der biblischen Sprache bedeutet „verherrlichen“ „die Ehre erweisen“. Dabei meint „verherrlichen“ jedoch nicht unterwürfig zu sein. Es meint auch nicht, einer Gottheit irgendwelche Gaben zukommen zu lassen oder durch Rituale, Gebärden und Reichtümer die Würde einer Gottheit zu unterstreichen oder gar erst herzustellen.

Um die biblische Bedeutung von „verherrlichen“ zu verdeutlichen, lohnt der Blick auf Jesus und seinen Satz: „Ich habe dich auf Erden verherrlicht.“ (Joh 17,4)

Wie hat Jesus Gott verherrlicht? Indem er von Gott erzählte, indem er zu den Ausgestoßenen ging, indem er den Menschen half und sie heilte. In diesen Taten verherrlichte er Gott. In diesen Taten ließ er die Herrlichkeit Gottes aufleuchten. In seinem Wirken und in seinen Taten ließ er den liebenden Gott mitten in seiner herrlich geschaffenen Welt in seiner Herrlichkeit aufleuchten.

Und Gott ist jener, der seit Anbeginn der Welt alles Geschaffene an seiner Herrlichkeit teilhaben lassen will. Denn überall dort, wo sein Reich anbricht, sehen wir, wie schön, wie herrlich, diese Welt und das Leben in der Welt und miteinander sein können. Da haben wir Anteil an seiner Herrlichkeit und da ist das Leben seiner Geschöpfe antwortende Verherrlichung Gottes. So können wir Gott Ehre erweisen.

In Jesus Christus wird die Herrlichkeit Gottes in alles überbietender Weise sichtbar. Seine Herrlichkeit ist in allem Geschaffenen dort, wo Gott Raum bekommt, wo sein Reich aufbrechen darf, wo seine Welt als Schöpfung gesehen wird.

Die Herrlichkeit oder Verherrlichung Gottes ist nicht etwas, das man Gott, dem König erweisen bzw. darbieten muss, es ist etwas, dass ich in meinem Leben in dieser Welt hereinlassen bzw. aufleuchten lassen muss. In dieser Welt, mit Tod und Leid, ist uns dank Jesus gezeigt worden, dass die Verherrlichung Gottes unter uns aufbrechen kann, dass die Schöpfung, also auch wir Anteil an seiner Herrlichkeit gewinnen können.

Das geschieht auch heute: Besonders diese leidvollen Monate können zeigen, dass die Herrlichkeit Gottes nichts Jenseitiges ist, sondern etwas, das sich hier und heute durch Sie, durch mich, durch uns durchsetzen will. Denn Gott wird überall dort verherrlicht, wo Menschen heute füreinander beten, er wird dort verherrlicht, wo spontane Brieffreundschaften mit Einsamen geknüpft werden, er wird heute dort verherrlicht, wo Menschen Bedürftige unterstützen, wo Menschen aufeinander Rücksicht nehmen und einander schützen. Überall dort, wo wir heilend, betend, helfend wirken, dort lassen wir Gott in seiner Herrlichkeit eintreten, dort werden wir stückweise „zum Herrn“.

Der Kirchenvater Irenäus von Lyon (gest. um 200) schrieb: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch, das Leben des Menschen ist die Schau Gottes.“ (haer. IV, 20,7)

„In ihnen bin ich verherrlicht“ (Joh17,10), sagt Jesus am Ende seines Gebetes und meint damit uns. Mir macht diese Aussage Lust auf die Herrlichkeit Gottes. Zum einen kann ich von der Herrlichkeit meines Gottes berichten, indem ich aufzähle, welch herrliche Aktionen ich in den letzten Wochen beobachten konnte. Zum anderen macht es mich stolz, dass ich durch mein Wirken Gott Ehre erweisen und selbst Anteil an seiner Herrlichkeit erfahren kann.

Ich kann also, wie mir in der Taufe versprochen wurde, ein Stück weit Anteil an Gottes Königtum und damit an seiner Herrlichkeit bekommen. Seine Verherrlichung erhebt auch mich zur Herrlichkeit.

So wünsche ich uns allen in der kommenden Woche, mitten in dieser Welt, die an manchen Tagen wenig Herrliches zu bieten hat, dass wir die in ihr von Gott grundgelegte Herrlichkeit aufleuchten lassen können.

Ihr Stefan Kaiser

Impuls vom 16.05.2020 "Herzenssache" von Karin Stump

Kennen Sie die Karikatur: Da stehen Menschen bei einer Party beieinander. Ein Mann fragt das Paar, das ihm gegenüber steht: „Ach, Christen seid ihr. Christ, was macht man da so?“  Wie fremd ist doch manchen das Christsein geworden. „Christ, was macht man da so?“ – Wie würde Ihre Antwort lauten?  –

Ich würde nicht nur Gebote und Rituale aufzählen, wie etwa Taufe, Kirchgang, Feste im Kirchenjahr, Sakramentsempfang. Auch die Gebote der Gottes- und Nächstenliebe würde ich nicht als erstes nennen. Meine Antwort begänne etwa so: „Christin bin ich, weil Jesus Christus mein wichtigster Bezugspunkt ist. Er ist die Person, an der ich mich orientiere, auf die ich mich immer neu beziehe und die mir Kraft gibt.“ Und daraus folgt mein Handeln. Dieser Glaube, diese Liebe prägen das Verhalten und den Lebensstil von Christinnen und Christen.

Christus und seine Lebensart möchten uns Herzenssache sein.

Christsein bedeutet nicht äußeres Einhalten von Vorschriften und Gewohnheiten, nicht allein Riten feiern und Kirchengebote halten. Wenn das Herz nicht von der Liebe Christi und der Liebe zu Christus ergriffen wird, bleibt alles Fassade oder intellektuelles Gedankengebäude.

„Haltet in eurem Herzen, Christus, den Herrn, heilig!“ so der erste Satz der Lesung (1 Petr 3, 15). Es geht um den Funken der Liebe, der lebendig macht und auch in schweren Zeiten durchtragen will.

Aber Hand auf‘s Herz! Hat Jesus Christus, hat Gott diesen Platz in deinem Herzen? Ist er die Nummer eins, auf die für dich alles ankommt? Vielleicht ist dir im Laufe der Jahre das Feuer abhandengekommen. Vielleicht ist vieles fraglich geworden, durch die Anfragen einer nicht mehr christlichen Umwelt, durch den Wohlstand oder durch die Unglaubwürdigkeit und die Skandale und Krisen in der Kirche selbst. Oder durch Unrecht und Leid, das du siehst oder selbst erfährst.

„Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ (1 Petr 3,15)

Gottes und Jesu Liebe zu dir und mir, zu jedem Menschen – und unsere antwortende Liebe sind das Zentrum christlichen Glaubens. Diese Liebe ist gewiss, auch und gerade in dieser Zeit, die uns so verunsichert, besorgt und Veränderung von uns erwartet. Herzenssache!

So können wir und andere spüren und erleben, was Jesus sagt: „Ihr seid in mir und ich bin in euch.“

Ihre Karin Stump

Impuls vom 09.05.2020 "Christus passiert" von Stefan Kaiser

Meine Frau arbeitet an der TU Dortmund am Institut für Katholische Theologie und gestaltet eine Lehrveranstaltung zur Christologie.

Ein nicht ganz einfaches Thema, denn unsere Glaubenswahrheit, dass Jesus wahrer Mensch und wahrer Gott sei, ist nicht ganz einfach zu denken. Oft versuchen die Studierenden, Jesu Leben zu zerstückeln und sagen: „Bei den Wunderheilungen war er wahrer Gott und am Kreuz war er wahrer Mensch“, so, als ob Jesus zwischen Gott und Mensch hin und her wechselt.

Andere Studierende zerbrechen sich den Kopf, ob Jesus „Gottes-Gene“ hatte, ob der eine Arm am Körper göttlich und der andere Arm menschlich sein könnte.

Und in der Tat, wie soll man sich das vorstellen: Jesus sei wahrer Gott und wahrer Mensch und seine Naturen sind ungetrennt und unvermischt.

Ich stelle mir das immer wie folgt vor (nach Wilfried Härle): Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in einem Konzert. Eine Klarinettenspielerin spielt ein Klarinettenkonzert von Mozart. Was hören Sie? Hören Sie die Klarinettistin? Hören Sie Mozart? Hören Sie, wie die Klarinettistin Mozart versteht? Wissen wir überhaupt, wie Mozart das Stück gespielt hätte und was von dem, was wir gerade hören, Mozart ist und was Interpretation der Klarinettistin?

Was hier passiert, ist eigentlich das, was wir von Jesus sagen. Sowohl das eine als auch das andere, ungetrennt und unvermischt. Wir hören zum einen die Klarinettistin, zum anderen aber auch Mozart. Sie sind zwar nicht dieselbe Person (unvermischt), aber auch können wir die beiden in dem, was wir hören, nicht trennen (ungetrennt).

Und so stelle ich mir Jesus vor: In ihm IST nicht Gott, in ihm und um ihn herum PASSIERT Gott. Jesus bringt all das von Gott in seinem Handeln und in seinem Leben  und in seinem Umfeld zum Klingen, was die Israeliten von ihrem Gott wussten: er befreit, er hilft, er heilt, er erlöst, er ist da.

Und so, wie in, durch und um Jesus herum Gott in überwältigender Art und Weise passierte, kann auch heute Gott in, durch und um uns herum passieren. Zum Beispiel dort, wo Menschen Gaben an einen Zaun hängen, um Menschen zu helfen, um da zu sein, um Menschen von Nöten zu erlösen.

Gott IST nicht statisch, Gott PASSIERT, ist dynamisch. Lassen Sie Gott um Ihnen herum in dieser Woche passieren.

Ihr Stefan Kaiser