Wie schwer ist es doch, loszulassen und die Kontrolle abzugeben. Womöglich ist es die größte Herausforderung für uns Menschen, Dinge auf uns zukommen und es einfach geschehen zu lassen. Viel besser können wir uns doch Sorgen machen und jegliche Szenarien im Kopf ausmalen, um auf alle Eventualitäten vermeintlich vorbereitet zu sein. Dabei dürfen wir so oft die Erfahrung machen, dass es alles ganz anders kommt und eine völlig neue, nicht vorhergesehene Situation eintritt.
Selbst Johannes der Täufer, ein von Gott berufener Prophet, ist irritiert von Jesu Handeln und kann ihm nicht einfach Folge leisten, in seinem Wunsch, von ihm (Johannes) getauft zu werden. Als Jesus spricht „Lass es so geschehen, damit wir alles erfüllen, was Gott von uns erwartet.“ (Mt 3, 15), da willigt Johannes ein und tauft ihn.
Der Geigenbauer und Physiker Martin Schleske schreibt dazu sehr passend über seine Arbeit:
Eine gute Geige entsteht nicht durch Wissen, sondern durch Vertrauen. Sie entsteht in der Stille des Willens, wo ausreichend Raum ist, dass Dinge auch schiefgehen dürfen. Es bedeutet, in der Weisheit eines größeren Willens zu ruhen, durchzuatmen – und zu wagen, dass es auf eine andere Art gut werden darf, als ich dachte. Am sichersten bin ich darum in der Unsicherheit, denn da kann ich jener besseren Weisheit nicht ständig dazwischenpfuschen. (Aus: WerkZeuge: In Resonanz mit Gott | 365 Fragmente, S. 25)
Den Prozess geschehen lassen ohne vorgefertigte Vorstellungen und Ergebnisse, das ist das Ziel – Gottes Willen geschehen zu lassen. Das bedeutet, Störungen zuzulassen, ohne sie als Bedrohung zu betrachten, und somit einzuwilligen, sich führen zu lassen. Den eigenen Willen zurückzustellen und vielleicht auch eine Art Dickkopf auszuschalten, hat im ersten Moment ein Gefühl von Unsicherheit und Ungewissheit zur Folge. Dem entgegensetzen möchte ich nochmals den letzten Satz von Martin Schleske: „Am sichersten bin ich darum in der Unsicherheit, denn da kann ich jener besseren Weisheit nicht ständig dazwischenpfuschen.“
Diese Aussage finde ich wirklich bedenkenswert und sinnvoll, dass wir sie uns in Erinnerung rufen und immer wieder vergegenwärtigen. Und in alldem dürfen wir stets sicher sein, dass Gott auch zu uns spricht: „Du bist mein geliebtes Kind, ich habe Dich erwählt.“ (Mt 3, 17)
Thale Schmitz
Evangelium:
Mt 3, 13–17: Jesus ist Gottes geliebter Sohn
13 Dann kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
14 Aber Johannes versuchte, ihn davon abzubringen: „Ich müsste eigentlich von dir getauft werden und du kommst zu mir?“
15 Jesus erwiderte: „Lass es so geschehen, damit wir alles erfüllen, was Gott von uns erwartet.“ Da willigte Johannes ein.
16 Gleich nach der Taufe stieg Jesus wieder aus dem Wasser. Da öffnete sich ihm der Himmel und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
17 Gleichzeitig sprach eine Stimme vom Himmel: „Dies ist mein geliebter Sohn, ihn habe ich erwählt.“