Auf das Reden über das Gebet kommt es letztlich nicht an, sondern auf die Worte, die wir selbst zu Gott sagen. Und die Worte muss man eben selbst sagen. Ach, sie können leise und arm und schüchtern sein. Sie können wie silberne Tauben in den Himmel Gottes aus einem frohen Herzen aufsteigen, oder sie können sein wie der unhörbare Lauf bitterer Tränen. Sie können groß und erhaben sein wie der Donner, der sich in den hohen Bergen bricht, oder schüchtern wie das scheue Geständnis einer ersten Liebe. Wenn sie nur von Herzen kommen. Wenn sie nur von Herzen kommen möchten. Und wenn sie nur der Geist Gottes mitbetet. Dann hört sie Gott. Dann wird Er keines dieser Worte vergessen. Dann wird Er die Worte in seinem Herzen aufbewahren, weil man die Worte der Liebe nicht vergessen kann. Und dann wird Er uns geduldig, ja selig weiter zuhören, ein ganzes Leben lang, bis wir ausgeredet haben, bis wir unser ganzes Leben ausgeredet haben. Und dann wird Er ein einziges Wort der Liebe sagen, aber Er ist dieses Wort selbst. Und dann wird der Schlag unseres Herzens stehenbleiben über diesem Wort. In Ewigkeit.
Karl Rahner
Evangelium:
Lk 11, 1-13: So sollt ihr beten!
1 Eines Tages war Jesus im Gebet. Als er es beendet hatte, bat ihn einer seiner Jünger: „Herr, sag uns, wie wir richtig beten sollen. Auch Johannes hat seine Jünger beten gelehrt.“
2 Jesus antwortete ihnen: „Wenn ihr betet, dann sprecht: Vater! Werde deinem Namen gerecht. Lass deine neue Welt bei uns beginnen.
3 Gib uns heute das Brot für diesen Tag.
4 Vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben allen, die uns etwas schuldig sind. Führe uns nicht in Versuchung, dir untreu zu werden.“
5 Dann fuhr Jesus fort: „Stellt euch vor, einer von euch geht mitten in der Nacht zu seinem Freund, klopft an die Tür und bittet ihn: „Lieber Freund, leih mir doch drei Brote. 6 Ich habe unerwartet Besuch bekommen und kann ihm nichts anbieten.“
7 Und der Freund würde dann antworten: „Lass mich in Ruhe! Ich habe die Tür schon abgeschlossen und liege mit meinen Kindern im Bett. Ich kann jetzt nicht aufstehen und dir etwas geben.“
8 Da sage ich euch: Wenn er schon nicht aufstehen und seinen Wunsch erfüllen will, weil er sein Freund ist, so wird er es schließlich doch tun, weil der andere so zudringlich ist und ihm einfach keine Ruhe lässt. Er wird aufstehen und ihm geben, was er braucht. 9 Darum sage ich euch: Bittet Gott, und er wird euch geben. Sucht, und ihr werdet finden. Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet.
10 Denn wer Gott bittet, der bekommt. Wer ihn sucht, der findet ihn. Und wer bei ihm anklopft, dem wird er eine Tür öffnen.
11 Könnt ihr euch einen Vater vorstellen, der seinem Sohn eine Schlange geben würde, wenn der ihn um einen Fisch bittet,
12 oder einen Skorpion, wenn er ein Ei haben möchte?
13 Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird dann der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist geben, die ihn darum bitten?“