Vielleicht kennen Sie das Gefühl, das Gleis wechseln zu wollen und/oder auf falschen Wegen unterwegs zu sein. Irgendwie von der Route abgekommen zu sein und sich verloren zu fühlen, ist ein beklemmender Zustand – begleitet von Angst und Perspektivlosigkeit, kann sich schnell Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit breit machen.
Welch ein Segen ist es doch, dass wir unsere Wege nie alleine beschreiten müssen. Das Evangelium vom guten Hirten gibt uns ein sehr wohliges Bild von Jesus, der uns nie aus den Augen lässt. Es gibt viele Darstellungen, wie Jesus uns als seine Schäfchen sogar auf dem Arm trägt. Zudem ist es schön zu wissen, dass wir als Gottes Kinder nicht einsam über die Erdkugel stapfen, sondern in Gemeinschaft wie eine Herde leben können.
Dass der gute Hirte uns jederzeit auf Händen trägt und behütet, ist manchmal schwer vorstellbar. Eine hoffnungslose Lage kann schnell die Gefühle vom Gehalten- und Getragensein trüben oder ganz überschatten. Vielleicht hilft da das Wissen um einen guten Freund, der wie im ausgewählten Bild hinter uns hergeht, uns den Rücken stärkt und uns nie allein zurückfallen lässt.
Eine Herde kann unterstützend sein – ohne Zweifel, aber manchmal sieht man vor lauter anderer Menschen das Ziel und den Mittelpunkt gar nicht mehr. Da stellt sich wiederum die Frage, wie es noch ein Durchkommen geben soll – durch die Leute, durch den Alltag, durch Schmerz und Trauer sowie durch alle Herausforderungen im irdischen Leben. Da hilft meistens nur noch beten und die Gewissheit, dass wir nicht ohne Hilfe durch diese Ereignisse gehen müssen. Denn Jesus kennt unsere menschlichen Schwierigkeiten und Hürden im Leben und bietet uns seine Hilfe an. Er geht mit uns hindurch – auch durch verschlossene Türen.
Das Taizé-Lied „Behüte mich, Gott“ mit dem folgenden Text mag uns begleiten und vor allem in dunklen Momenten diese Gewissheit wieder spüren lassen:
Behüte mich Gott, ich vertraue dir.
Du zeigst mir den Weg zum Leben.
Bei dir ist Freude, Freude in Fülle!
Denn: Bei dir ist Freude in Fülle – in unvorstellbarer Fülle.
Thale Schmitz
Evangelium:
Joh 10, 1–10: Der Gute Hirt
1 „Amen, amen ich sage euch“, forderte Jesus seine Zuhörer auf. „Wer nicht durch die Tür in den Schafstall geht, sondern anderswo heimlich einsteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber.
2 Wer aber durch die Tür geht, der ist der Hirt der Schafe.
3 Ihm öffnet der Wächter das Tor und die Schafe erkennen ihn schon an seiner Stimme“. Dann ruft der Hirt jedes mit seinem Namen und führt sie auf die Weide.
4 Er geht vor ihnen her und die Schafe folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen.
5 Einem Fremden würden sie niemals folgen. Ihm laufen sie davon, weil die fremde Stimme sie erschreckt.“
6 Die Leute, denen Jesus dieses Gleichnis erzählte, verstanden nicht, was er damit meinte.
7 Deshalb erklärte er es ihnen: „Amen, amen, ich sage euch: Ich selbst bin die Tür, die zu den Schafen führt.
8 Alle, die sich vor mir als eure Hirten ausgaben, waren Diebe und Räuber. Doch die Schafe haben nicht auf sie gehört.
9 Ich bin die Tür. Wer durch mich zu meiner Herde kommt, der wird gerettet werden. Er kann durch diese Tür ein- und ausgehen und wird saftig grüne Weiden finden.
10 Der Dieb kommt nur, um die Schafe zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu bringen, ein neues Leben in unvorstellbarer Fülle.“