Das Evangelium über die törichten und die klugen Jungfrauen, die wegen ihrer Vorbereitung und Planung die Chance auf ein Treffen mit dem Bräutigam erhalten bzw. verpassen, löst sehr viel Widerstreben in mir aus.
Ich mag es gar nicht, wenn so plakativ in Kategorien gedacht wird und dann noch so eine deutliche Beurteilung und Unterscheidung in „klug“ und „töricht“ vorgenommen wird. Es gibt so viele verschiedene Lebensumstände, die eine gute Vorbereitung – in diesem Fall durch das Sorgen für den Öl-Vorrat – erschweren oder nicht ermöglicht haben, sodass die betroffenen Personen nicht als „töricht“ abgestempelt werden sollten.
Ich finde es auch schade, dass die Situation so geschildert wird, dass die angeblich „törichten“ Jungfrauen sozusagen die einmalige Chance ihres Lebens, den Bräutigam zu treffen (der metaphorisch als Jesus Christus verstanden werden kann), verpassen und abgewiesen werden. Das entspricht nicht meinem Glauben und meinem Gottesbild und es ist mir sehr wichtig, zu wissen und zu teilen, dass es im Leben durch die Hoffnung, die uns trägt, neue Wege und Möglichkeiten gibt und unsere Zukunft nicht von einem Fehltritt oder einer einzigen, unwiederbringlichen Chance abhängt.
Was mich allerdings am meisten stört, ist das Verhalten der vermeintlich „klugen“ Jungfrauen. Sie teilen ihr Öl nicht und handeln egoistisch und werden dafür noch belohnt. Das ist keine Message, die ich im sozial-caritativen Sinne teilen und auch allgemein mit meinen christlichen Werten vereinbaren kann. Es hätte doch so viele Zwischenlösungen geben können: Sie hätten einen geringen Teil ihres Öl-Vorrates abgeben können oder die Frauen hätten sich zusammengetan und jeweils eine Lampe geteilt. Dann hätten die Lampen sogar noch länger brennen können und alle hätten bereitstehen können und wären vom Bräutigam eingelassen worden.
Damit möchte ich natürlich nicht den Kerngedanken ablehnen, dass wir vorbereitet und in Erwartung leben mögen, um jederzeit Jesus bei uns aufzunehmen und ihn auch zu erkennen.
Dennoch ist dies ein Plädoyer gegen Schubladendenken, Kategorisierungen und vorschnellem Urteil und für Menschlichkeit, Solidarität und gegenseitige Unterstützung.
Ich glaube, dass uns Letzteres wirklich erfüllt und uns Jesus am nächsten zu bringen vermag.
Thale Schmitz
Evangelium:
Mt 25, 1-13: Aufruf zu Klugheit und Wachsamkeit
1 „In der neuen Welt Gottes wird es sein wie bei zehn Mädchen, die bei einer Hochzeit mit ihren Lampen in der Hand dem Bräutigam entgegengehen sollten.
2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf von ihnen waren klug.
3 Denn die törichten nahmen zwar ihre Lampen mit, aber kein Öl.
4 Die Klugen versorgten sich auch ausreichend mit Öl für ihre Lampen.
5 Als sich die Ankunft des Bräutigams verzögerte, wurden sie alle müde und schliefen ein.
6 Plötzlich um Mitternacht weckte sie ein lauter Ruf: „Der Bräutigam kommt! Steht auf und begrüßt ihn!“
7 Da sprangen die Mädchen auf und brachten ihre Lampen in Ordnung.
8 Die fünf, die nicht genügend Öl hatten, baten die anderen: „Gebt uns etwas von eurem Öl! Unsere Lampen gehen aus.“
9 Aber die Klugen antworteten: „Unser Öl reicht nicht für uns und euch. Geht doch in den Laden und kauft euch welches!“
10 In der Zwischenzeit kam der Bräutigam und die Mädchen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Festsaal. Dann wurde die Tür verschlossen.
11 Später kamen auch die fünf anderen. Sie standen draußen und riefen: „Herr, Herr, mach uns die Tür auf!“
12 „Wer seid ihr denn?“, fragte er zurück. „Ich kenne euch nicht!“
13 Deshalb seid wach und haltet euch bereit! Denn ihr wisst weder, an welchem Tag noch zu welcher Stunde der Menschensohn kommen wird.“