Mein Gott ist nicht gerecht. Nicht nach menschlichen Maßstäben.
Da schmeißt ein Vater eine teure Party für einen seiner zwei Söhne, der sein vorausbezahltes Erbe zuerst verprasst und dann kleinlaut zurückkommt.
Der Vater nimmt ihn in den Arm und feiert ihn, obwohl sein anderer Sohn zu Hause gearbeitet und sparsam gelebt hat.
Die Geschichte stammt übrigens von Jesus. Der hat auch erzählt von einem Chef, der im Laufe eines Tages verschiedene Arbeiter anheuert, um für ihn zu arbeiten.
Am Ende des Tages bekommen sie, trotz unterschiedlich langer Arbeitszeiten, den gleichen Lohn.
Mit beiden Geschichten wollte Jesus etwas über meinen Gott aussagen.
Mein Gott ist wie der Vater oder der Chef der Arbeiter.
Gerecht nach menschlichen Maßstäben ist er nicht.
Ich finde ihn im ersten Moment sogar ziemlich ungerecht.
Das liegt an meinem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden:
Gerecht ist, wenn jede*r das Gleiche bekommt.
Mein Gott versteht Gerechtigkeit etwas anders:
Er gibt jeder*m das, was er*sie braucht.
Da bekommt der zurückgekehrte Sohn eine große Willkommensparty, damit er versteht:
Du gehörst weiterhin zur Familie, egal, was du getan hast.
Und die Arbeiter bekommen so viel Lohn, damit es zum Leben reicht.
Vielleicht ist das nach menschlichen Maßstäben nicht gerecht, aber das ist gerecht nach göttlichem Verständnis.
Das ist barmherzig.
Und genau so ist mein Gott.
Daniel Gewand
(Aus: Gott ist wie Husemann, S.77. Aschendorff Verlag 2021)
Evangelium:
Mt 20, 1-16: Die Arbeiter im Weinberg: Gott hört nicht auf einzuladen
1 „Ich möchte euch ein Gleichnis erzählen“, sagte Jesus. „Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb.
2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn von einem Denar und schickte sie in seinen Weinberg.
3 Gegen neun Uhr ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort wieder Leute herumstehen, die arbeitslos waren.
4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn,
5 und sie gingen hin. Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er wieder Arbeiter ein.
6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, fand er immer noch einige, die dort herumstanden. Er fragte sie: „Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?“
7 „Uns wollte niemand haben“, antworteten sie. „Geht auch ihr in meinen Weinberg!“, forderte er sie auf.
8 Am Abend beauftragte der Herr des Weinberges seinen Verwalter: „Ruf die Leute zusammen und zahl ihnen den Lohn aus! Fang bei den Letzten an und hör bei den Ersten auf!“
9 Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn von einem Denar.
10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber auch sie bekamen alle nur den vereinbarten Tageslohn.
11 Da beschwerten sie sich beim Weinbauern:
12 „Diese Letzten da haben nur eine Stunde gearbeitet und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!“
13 „Mein Freund“, wandte sich der Verwalter an einen von ihnen, „dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt?
14 Nimm also dein Geld und geh! Ich will aber den anderen genauso viel zahlen wie dir.
15 Darf ich denn mit meinem Geld nicht machen, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich großzügig bin?“
16 Genauso ist es auch bei Gott: Die Letzten werden einmal die Ersten sein und die Ersten die Letzten.