Wir sind auf Gottes Bildschirmfläche und er sieht alles, was wir tun und lassen, denken und hoffen. Er weiß, was wir zum Blühen bringen und was wir vielleicht auch an Unkraut aussähen und andere oder uns selbst damit boykottieren und im Weg stehen. Das braucht gar nicht böswillig zu sein, denn manchmal stehen wir in Gedanken oder auch im Handeln selbst auf dem Schlauch und fragen uns anschließend, wie wir es nicht sehen und reflektieren konnten. Das Geglückte und das (unüberlegt) Missglückte sind stets nebeneinander existent in unserem Leben und müssen sich gar nicht ausschließen. Zu gegebener Zeit kann der Weizen dann vom Spreu getrennt werden.
Auch wenn das Bedürfnis groß ist, das Unkraut so schnell wie möglich aus dem Leben zu entfernen, ist es doch häufig sinnvoller und zielführend Geduld zu haben – mit uns selbst und mit anderen. Warten können und wachsen lassen. Geduld hat viel mit Vertrauen zu tun – vertrauen darauf, dass sich das Gute durchsetzt und Gott alles dorthin führt, auch wenn es lange Zeit nicht danach aussieht und der Sinn dahinter verschlossen bleibt.
Auch die Frage „Warum?“ hilft oft nicht weiter. Wo das Unkraut herkommt, kann viele Gründe haben: Willkür, Boshaftigkeit, Unüberlegtheit, Unglückliches Zusammenspiel verschiedener Faktoren…
Eine klare Antwort hat meist keinen Mehrwert in Bezug auf den Umgang mit der gegebenen Situation. In allem Elend und Dunkel ist es daher vielleicht viel unterstützender, sich immer wieder bewusst zu machen, dass Gott uns auf dem Schirm hat und wir nie von seiner Bildschirmfläche verschwinden. Die Chance wird kommen, das Unkraut aus der ertragreichen Ernte heraus zu sortieren und so weiteren Schaden abzuwenden. Gott schenkt uns Möglichkeiten und gibt die nötige Kraft dazu und vielleicht auch einen manchmal notwendigen „Wink mit dem Zaunpfahl“, den der Heilige Geist vorbeibringt und uns einhaucht.
Den Gedanken, erst das Unkraut einzusammeln und dann den erntereichen Weizen aufzulesen, finde ich auch sehr erstrebenswert. „Erst die Arbeit, dann der Lohn“ – erst das weniger Leckere zu essen, bevor wir uns mit dem besonders Geschmackvollem belohnen, macht doch oft sehr glücklich.
Aushalten und Durchhalten auf Gottes Bildschirmfläche lohnt sich!
Thale Schmitz
Evangelium:
Mt 13, 24-30: Unkraut unter dem Weizen: Lasst beides bis zur Ernte wachsen
24 Jesus erzählte ein anderes Gleichnis: „Die neue Welt Gottes ist mit einem Bauern zu vergleichen, der gutes Saatgut auf sein Feld säte.
25 Eines Nachts, als alles schlief, kam sein Feind, säte Unkraut zwischen den Weizen und schlich sich davon.
26 Als nun die Saat heranwuchs, ging auch das Unkraut auf.
27 Da kamen die Arbeiter des Bauern und fragten ihn: „Hast du das Feld nicht mit gutem Samen bestellt? Woher kommt dann das Unkraut?“
28 „Das muss mein Feind gewesen sein,“ antwortete der Bauer. „Sollen wir das Unkraut ausreißen?“, fragten die Arbeiter.
29 „Nein, dabei würdet ihr ja den Weizen mit ausreißen. 30 Lasst beides bis zur Ernte wachsen. Dann werde ich den Erntearbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut ein, bindet es zusammen und verbrennt es! Den Weizen aber bringt in meine Scheune!““