Jeden Morgen, wenn wir aufwachen, begegnen wir als erstes unserem Leib. Diese erste Begegnung ist nicht immer angenehm; und dieses Zusammensein, das bald freundlich, bald aufgebracht ist, zieht sich durch den ganzen Tag.
Wie viele von uns waren nicht schon mal versucht, ihren Leib zu verwünschen und fast schon darum zu bitten, von ihm befreit zu werden – vor allem in Zeiten, in denen alles zu viel geworden ist.
Doch unser Leib ist kein Zufallsprodukt. Gott hat ihn gewollt, Gott hat ihn wunderbar geschaffen. Wir haben die Nerven, das Blut und das Temperament, das er gewollt hat. Er hat unseren Leib schon im Voraus gekannt, um darin seine Gnade wohnen zu lassen. Er kennt jede Schwäche, jedes Zugeständnis, jede Unvollkommenheit unseres Leibes, aber er hat ihn genauso erwählt, um daraus den Leib eines Heiligen oder einer Heiligen zu schaffen.
Wir haben den Leib, für den wir bestimmt sind, den Leib unserer Heiligkeit.
___________________________________________________________________________
Unser Leib ist im Laufe des Tages der Ort, an dem sich so manches abspielt, mit dem sich unsere Seele auseinandersetzen muss: Unsere Nerven sind angespannt, wir haben Kopfschmerzen, wir sind in guter oder schlechter Verfassung. Lauter winzige Befindlichkeiten, in denen sich der Wille Gottes für uns ausdrückt.
Nichts von alledem ist einfach nur etwas Negatives, das uns beschäftigen und umtreiben sollte; es sind im Gegenteil die Bedingungen, unter denen Gott zu uns kommt.
Sein Wille leuchtet darin auf: Dieses Wohlbefinden, diese Migräne, diese Schwere unserer Beine bilden die Materie der Gnade, die uns gerade jetzt geschenkt wird.
Madeleine Delbrêl
Evangelium:
Mt 10, 26-33: Habt keine Angst vor den Menschen!
26 „Fürchtet sie also nicht! Nichts ist verhüllt, das nicht offengelegt wird, und nichts verborgen, das nicht durchschaut wird. 27 Was ich euch in der Dunkelheit sage, das gebt am helllichten Tag weiter, und was ich euch ins Ohr flüstere, das verkündet von den Dächern. 28 Habt keine Angst vor denen, die nur den Leib, aber nicht eure Seele töten können! Fürchtet vielmehr den, der Leib und Seele in der Hölle vernichten kann. 29 Denkt doch einmal an die Spatzen und welchen Wert sie haben! Trotzdem fällt keiner tot zur Erde, ohne dass euer Vater es zulässt. 30 Wie wird es dann erst bei euch sein? Ich versichere euch: Sogar die Haare auf eurem Kopf sind alle gezählt. 31 Darum habt keine Angst! Ihr seid Gott mehr wert als alle Spatzen zusammen. 32 Wer sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. 33 Wer mich aber vor den Menschen nicht kennen will, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel nicht kennen.“