Soziologisch interessant finde ich es immer wieder, wenn eher extrovertierte, fordernde Menschen plötzlich ganz still werden und sich doch nicht mehr so selbstbewusst in Sicherheit wägen. Manchmal steckt Berechnung dahinter, die nicht so ganz aufgeht oder die eigentlich gewollte Provokation geht sozusagen nach hinten los und kommt wie ein Bumerang zurück. Vermutlich reflektieren diese Menschen im Nachhinein, dass es doch der bessere Weg gewesen wäre, die Wahrheit auszusprechen und transparent zu kommunizieren. Denn es ist sicherlich sehr unangenehm, wenn eine große Klappe plötzlich ganz kleinlaut werden muss…
Eine ähnliche Situation lesen wir im heutigen Sonntagsevangelium. Die Pharisäer wollen Jesus gezielt mit seinen eigenen Worten in die Falle locken und deswegen versuchen sie ihn mit einer provokanten Frage, nachdem sie ihm sozusagen Honig um den Mund schmieren. Sie probieren es zumindest – denn Jesus lässt sich nicht darauf ein, erkennt ihr Handeln sofort und findet deutliche Worte: „Ihr Heuchler! Warum wollt ihr mich hereinlegen? Zeigt mir ein Geldstück, mit dem ihr die Steuer bezahlt! Wessen Bild und Name ist hier eingeprägt?“, fragte er. „Das Bild und der Name des Kaisers“, antworteten sie. „Nun, dann gebt dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ (Mt 22, 18-21)
An dieser Stelle endet das für den heutigen Sonntag vorgeschlagene Evangelium, obwohl es noch einen anschließenden Vers gibt, der laut Bibel zu der Erzählung dazugehört:
Diese Antwort verblüffte sie und. Und sie ließen Jesus in Ruhe und gingen weg. (Mt 22, 22)
Von dieser klugen Antwort Jesu waren die Pharisäer wohl völlig überrascht, sodass sie schweigend abzogen. Sie wollten es nicht sehen, nicht hören und auch nichts mehr dazu sagen. Sie gehen einfach weg, sind verdutzt und verstummt. Es bleibt die Hoffnung, dass sie das Erlebte nachwirken lassen und reflektieren.
Das abgedruckte Bild zeigt die 3 weisen Affen – diese Symbolik stammt aus Japan und folgt dem Grundsatz: „Nichts Böses sehen, nichts Böses hören, nichts Böses sagen.“ In unserem westlichen Kulturkreis stehen sie dagegen für Ignoranz, Wegsehen und Schweigegelübde – Wegschauen, Wegreden, Weghören von Missständen, Unrecht und Problemen statt zu handeln. Diese negative Auslegung ist sicherlich passend für die beschriebenen Pharisäer. Doch dürfen sie und wir uns an den östlichen weisen Affen orientieren und danach handeln.
Thale Schmitz
Evangelium:
Mt 22, 15–21: Gott oder der Kaiser?
15 Nun begannen die Pharisäer zu beraten, wie sie Jesus mit seinen eigenen Worten in eine Falle locken könnten.
16 Sie schickten ein paar von ihren Leuten und einige Anhänger des Königs Herodes zu ihm und ließen ihn fragen: „Meister, wir wissen, dass es dir allein um die Wahrheit geht. Du redest den Leuten nicht nach dem Mund – ganz gleich, wie viel Ansehen sie besitzen. Du sagst uns klar und deutlich, wie wir nach Gottes Willen leben sollen.
17 Deshalb sage uns: Ist es erlaubt, dass wir dem römischen Kaiser Steuern zahlen, oder nicht?“
18 Jesus durchschaute ihre Hinterhältigkeit. „Ihr Heuchler!“, rief er. „Warum wollt ihr mich hereinlegen?
19 Zeigt mir ein Geldstück, mit dem ihr die Steuer bezahlt!“ Sie gaben ihm eine römische Münze.
20 „Wessen Bild und Name ist hier eingeprägt?“, fragte er.
21 „Das Bild und der Name des Kaisers“, antworteten sie. „Nun, dann gebt dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“