03.10.2026

Impuls zum 27. Sonntag im Jahreskreis

Anlässlich des 800. Todestages des hl. Franz von Assisi

Am Abend des 03. Oktober 1226 verstarb der bis heute weltweit bekannte und damals wie heute zahlreiche Menschen faszinierende und inspirierende heilige Franziskus von Assisi. Anlässlich seines 800. Todestages erinnern die weltweite franziskanische Familie und auch die gesamte katholische Kirche an sein Leben und Sterben. Der heutige Impuls greift dieses Jubiläumsjahr auf:

 

Die Grabeskrypta von San Francesco

 

Es waren noch nicht zwei Jahre seitdem Tod von Franziskus vergangen, als sein Stellvertreter in der Leitung des Ordens, Bruder Elias, das Land dicht vor dem westlichen Stadttor Assisis als Geschenk erhielt. Es war abschüssig, der Hinrichtungsplatz für Verbrecher, Höllenhügel genannt. An dieser Stelle sollte sich die gewaltige Kirche erheben, die dazu bestimmt war, die sterblichen Reste des hl. Franziskus zu bergen.

 

Am Tag nach der Heiligsprechung des Franziskus am 17. Juli 1228 begab sich Papst Gregor IX. auf den Höllenhügel, um den Grundstein des gewaltigen Baues zu Ehren des neuen Heiligen zu segnen.

Schon die Ankündigung rief Widerstand hervor. Verriet Bruder Elias nicht den Geist der Armut und damit die Grundhaltung des Heiligen? Führte er die Brüder nicht auf den falschen Weg, wenn er sie aus ihren verstreuten Hütten herausholte, um sie in einem mächtigen, festungsähnlichen Konvent wohnen zu lassen? Im Orden gab es zwei Richtungen: die des Bruders Elias und die des Bruder Leo, der den Bruder Elias beschuldigte, Frau Armut untreu zu werden.

Bruder Elias hatte das Gelände im Namen Papst Gregors IX. angenommen. Dieser hatte der ganzen Christenheit den Bau zu Ehren des hl. Franziskus angekündigt und um Spenden dafür aufgerufen. Die Kirche sollte also Eigentum des Heiligen Stuhles sein. Franziskus blieb der Heilige der Armut. Der Bau gehörte zu den Ehrenbezeugungen, welche die Kirche dem ‚Armen aus Assisi‘ erwies.

Bruder Elias – einem siegessicheren Feldherrn gleich – trieb den Bau energisch voran. Zwei Jahre nach der Grundsteinlegung war die Unterkirche beendet und konnte den Leichnam des Heiligen aufnehmen.

 

Der Plan des Bruders Elias sah nur die beiden übereinander errichteten Kirchen vor. Der stolze und entschlossene Ordensgeneral hatte, wie wir gesehen haben, den Sarg mit den sterblichen Resten des hl. Franziskus in der Tiefe versenkt, ohne eine Spur von der Grabstätte zu hinterlassen und den Fußboden der Basilika darüber sorgfältig wieder eingeebnet. Man ahnte zwar, dass das Grab des Heiligen sich unter dem Hochaltar befinden müsse, den seinerseits die Vierung mit ihren allegorischen Darstellungen wölbte, aber in welcher Tiefe? Es gab keine Urkunde und keine mündliche Überlieferung hatte sich erhalten. Zweimal versuchte man eine Erforschung des Untergrundes, aber ohne Ergebnis. Erst im Jahre 1818 wurde mit Erlaubnis von Papst Pius VII. ein dritter Versuch, das Grab des Heiligen zu finden, gemacht. Man grub in aller Heimlichkeit 52 Nächte lang, bis man schließlich in einem mächtigen Pfeiler, in einem steinernen, eisenbeschlagenen Sarkophag, die sterblichen Reste des Heiligen fand.

 

Man dachte sofort daran, um jenen Pfeiler, auf dem der Hochaltar der Unterkirche ruhte, eine unterirdische Kirche zu bauen. Die Arbeit wurde dem römischen und päpstlichen Architekten Pasquale Belli anvertraut, der die Krypta im Stil seiner Zeit (1824), d.h. im Sinne des herrschenden Klassizismus, mit dorischen Säulen und weißen Stuckornamenten errichtete. Aber der so entstandene Bau stand in einem zu schroffen Gegensatz zu dem Stil der beiden Basiliken und vor allem zu dem Geist echten Franziskanertums. Die Krypta wurde daher in den Jahren 1925 – 1932 von dem Architekten Ugo Tarchi aus Assisi grundlegend umgebaut, der dem Bau einen strengen, ans Romanische erinnernden Charakter verlieh. Der Umbau hatte keine künstlerischen Absichten: sein Ziel war einzig, die fromme Stimmung der Pilger nicht zu stören, die voller Ehrfurcht auf den einfachen Steinstufen zu Füßen des an dem Grabespfeiler errichteten Altars niederknien.

Anselm Kraus

 

(Quelle: „barfuß – Franziskus von Assisi Lesebuch“, 1992 Dietrich-Coelde-Verlag, Werl, S. 38/39)

 

In diesem Sinne: PACE E BENE!

Stefan Tausch, Pastor