26.09.2026

Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis

Fokus Ehrlichkeit

Interessanterweise gibt es in Bezug auf das heutige Evangelium nicht nur verschiedene Übersetzungen, sondern auch inhaltlich unterschiedliche Versionen. Die Einheitsübersetzung lässt die Menschen im Tempel auf die Frage Jesu (Wer von den beiden Söhnen hat nun getan, was der Vater wollte?“) antworten mit „Der zweite Sohn!“. In anderen Übersetzungen dagegen heißt es „Der erste Sohn!“. Das ist erst einmal irritierend und lässt eine falsche bzw. nicht gleich verstandene Übersetzung des altgriechischen Urtextes vermuten. Dies könnte sicherlich überprüft werden – vor allem von Menschen, die der altgriechischen Sprache mächtig sind und das eine Worte „erste“ bzw. „zweite“ im Urtext kontrollieren könnten.

Daran schließt sich wiederum die Frage an, ob das für die weiterführenden Verse überhaupt relevant ist. Denn die eigentliche Botschaft Jesu ist (vermutlich und meiner Ansicht nach) unabhängig von der Antwort und Reaktion der Menschen. Es bleibt offen, welcher Sohn nun richtig bzw. zumindest etwas richtiger gehandelt hat. Unehrlich sind sie beide und sie handeln nicht nach ihren Worten. Die Kommunikation ist intransparent und womöglich spricht der Vater mit seinen Söhnen gar nicht mehr darüber, sondern sieht nur, dass die Arbeit getan ist und vermutet, dass der jeweils andere Sohn es erledigt hat. In jedem Fall entsteht viel Chaos im Innen und im Außen und es wird viele Missverständnisse gegeben haben. Vielleicht wäre es die beste Option gewesen zu sagen, dass die Entscheidung grade noch nicht gefällt werden kann oder – wie zu Beginn dieses Satzes – das Wort „vielleicht“ ausgesprochen wird. Es wäre in jedem Fall ehrlicher und Ehrlichkeit ist doch so wichtig, egal ob wir mit Gott, uns selbst oder anderen Menschen in Kontakt und in Beziehung stehen.

 

Ehrliche Offenheit und Einsicht wünscht sich Jesus von uns. Anstatt über andere und deren Verhalten zu urteilen, können wir uns eine riesige Scheibe abschneiden von den Menschen, die sich Gott anvertrauen, zu ihm umkehren und seinem Ruf folgen. Egal, was vorher im Leben war (z.B. sündhaftes Verhalten geprägt von Egoismus und Selbstherrlichkeit) – das Umdenken und daraus resultierende Umkehren zu Jesus hin ist jederzeit möglich und seine Hand ist und bleibt ausgestreckt. Verständlicherweise bedauert es Jesus, dass die Menschen trotz vorgelebter Umkehr nicht zum Glauben an ihn und Gottes Neue Welt finden konnten.

 

Thale Schmitz

 

Evangelium:  

Mt 21, 28–32: Das Gleichnis von den beiden Söhnen

28 „Was meint ihr zu folgendem Gleichnis? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er sagte zu dem einen: „Mein Sohn, arbeite heute in unserem Weinberg!“

29 „Ich will nicht“, antwortete er. Doch danach reute es ihn und er ging hin.

30 Auch den zweiten Sohn forderte der Vater auf, in den Weinberg zu gehen „Ich will“, entgegnete dieser, ging aber nicht hin.

31 Wer von den beiden Söhnen hat nun getan, was der Vater wollte?“ Sie antworteten: „Der erste!“

Da erklärte ihnen Jesus, was er meinte: „Eins ist sicher: Die betrügerischen Zolleinnehmer und die Huren kommen eher in Gottes neue Welt als ihr.

32 Johannes der Täufer zeigte euch den Weg, der zu Gott führt, und forderte euch auf, zu ihm umzukehren. Aber ihr wolltet nichts von ihm wissen. Die Betrüger und Huren dagegen folgten seinem Ruf. Ihr habt das selbst gesehen, wie sie umkehrten, und trotzdem habt ihr es euch nicht anders überlegt und habt ihm immer noch nicht geglaubt.“