Liebe Geschwister im Glauben,
anlässlich des 800-jährigen Todestages laden das Erzbistum Paderborn und die in unserem Erzbistum engagierten franziskanischen Gemeinschaften am kommenden Samstag (12. September 2026) alle ‚Geschwister im Glauben‘ aus nah und fern zum Franziskusfest am Propsteihof in der Dortmunder Innenstadt ein!
Dazu nachfolgend einige Gedanken des brasilianischen Theologen Leonardo Boff – mit der meines Erachtens vielsagenden und weitherzigen Überschrift MÜTTERLICHKEIT:
Die zeitgenössischen Biographien werden nicht müde hervorzuheben, wie zärtlich Franziskus zu seinen Brüdern war: ‚Auf eine besondere, tiefe Weise und aus ganzem Herzen liebte er seine Brüder.‘ Das Wort, das er in seinen Schriften am häufigsten verwendet (242mal), ist ‚Bruder‘, das fast immer mit Zuneigung und ausdrükkenden Attributen versehen ist: ‚meine liebsten Brüder, ‚meine gesegneten Brüder‘, ‚meine Brüder‘.
Seine Fürsorge und Liebe waren so intensiv, dass er als ‚liebste Mutter‘ angesprochen wurde. Und in der Tat war so sein Verhalten.
Als er Bruder Silvester bleich vor Hunger sieht, denkt er bei sich: ‚Dem täten einige reife Weintrauben gut.‘ Frühmorgens, während die anderen noch schlafen, steht er zusammen mit ihm auf, geht zum benachbarten Weingarten und ißt Trauben mit ihm.
Ebenso verfährt er mit seinem kleinen Bruder Leo, als dieser unterwegs beinahe zusammenbrechen will. Von einer Weinlaube in der Nähe pflückt er ein paar Trauben, was ihm Stockhiebe von Seiten des Eigentümers einbringt. Aber immerhin richtet er den Freund wieder auf.
In der Regel ermahnt er die Brüder zur selben Liebe und Fürsorge: ‚Wenn schon eine Mutter ihren leiblichen Sohn nährt und liebt …, um wieviel sorgfältiger muß einer seine geistlichen Brüder lieben und nähren!‘ In der Regel für Einsiedeleien sagt er, es sollten sich wenigstens drei und höchstens vier Brüder zusammenfinden: ‚Zwei von ihnen sollen die Mütter sein und sollen zwei Söhne oder wenigstens einen haben … Die Söhne aber sollen bisweilen das Amt der Mütter übernehmen…‘ ‚Ungewöhnlich teilnehmende Liebe‘ erwies er den Kranken. Vor allem mit den Verängstigten (Neurotikern, würden wir sagen) hatte er ‚noch größere Nachsicht‘ und ‚noch größere Geduld‘, denn er hielt sie für schwach wie kleine Kinder. Aber die Brüder waren nicht nur Brüder, sondern mindere Brüder, das heißt: ‚die allen untertan‘ und dienstbereit gegeneinander sind und die sich nach Kräften in ‚Liebe zu frommer Gemeinschaft‘ verbinden.
Diese Haltung der Fürsorge befähigt die Energien der Vermenschlichung, die Tendenzen zu Enge und Isolierung zu überwinden, die es auch im menschlichen Zusammenleben gibt.
Leonardo Boff
(Quelle: „barfuß – Franziskus von Assisi Lesebuch“, 1992 Dietrich-Coelde-Verlag, Werll, S. 27)
In diesem Sinne: Herzliche Einladung an alle Schwestern und Brüder aus der der großen weltweiten geschlechterübergreifenden franziskanischen Familie zum bistumsweiten Franziskusfest am Propsteihof in der Dortmunder Innenstadt!
Stefan Tausch, Pastor