08.08.2026

Impuls zum 19. Sonntag im Jahreskreis

Abhängigkeit macht frei?!

Petrus auf dem Wasser – für viele ist diese Bibelstelle ein Appell an die Stärke unseres Glaubens und die enorme Relevanz davon. Erst tritt Petrus voll Zuversicht auf das Wasser und er kann darauf gehen – alles scheint möglich zu sein in diesem Moment. Doch dann kommt er ins Straucheln und droht, unterzugehen. Verzweifelt ruft er nach Jesus „Herr, rette mich!“. Jesus reicht ihm treu die Hand und rettet ihn.

 

Ich glaube nicht, dass es auf die Größe oder die Kraft unseres Glaubens ankommt. Vielmehr steht für mich die Treue Jesu im Vordergrund an dieser Stelle.

Denn:

 

Jesus vertraut, wo wir zweifeln.

Jesus liebt, wo wir hassen.

Jesus ist vollkommen, wo wir begrenzt sind.

Daher sehe ich auch nicht den Auftrag darin, sich mehr anzustrengen, sondern vielmehr zu vertrauen. Denn unser Glaube beruht nicht auf unserer Leistung, sondern auf Jesu Treue. Wir müssen uns und ihm nichts beweisen. Es ist in dem Sinne auch keine Wundererzählung, sondern ein Spiegel unseres Glaubenslebens. Ganz plötzlich wird Petrus auf dem Wasser seine eigene Begrenztheit bewusst. Er will glauben, aber schaut mehr auf die Wellen als auf Jesus.

Doch wir dürfen unseren Blick auf Jesus richten, der dem Vater vollkommen vertraut. Seine Treue, seine Stärke und sein Vertrauen tragen uns, wenn unser Glaube wankt. Das verändert alles! Wir dürfen unsere Schwäche anerkennen und uns auf Jesus verlassen. Wir sind eingeladen zu rufen: „Herr, rette mich!“ und das ist kein Zeichen von Schwäche – diese Abhängigkeit ist ein Ort der tiefsten Ruhe und Sicherheit. Jesus rettet uns nicht nur, sondern trägt uns durch die Herausforderungen unseres Lebens. Sein Glaube, seine Treue und seine Liebe sind das Fundament, auf dem wir stehen – auch wenn die Wellen höherschlagen und uns zu verschlingen drohen.

Mitten im Sturm dürfen wir uns abhängig und gleichzeitig gehalten wissen. Wir müssen unser Leben nicht mehr sichern, wir sind bereits gesichert in Gottes Hand.

Denn Gott hält, was du nicht halten kannst – auch das Unverständliche und Zerbrochene.

Ein Leben, das von Gott getragen ist, ist kein perfektes Leben, aber ein freies und ein sicheres und ein getragenes. Wir dürfen abhängig sein und müssen es nicht aus eigener Kraft schaffen. Das ist wahre Freiheit – DANKE, Jesus!

 

Evangelium:  

Mt 14, 22–33: Herr, rette mich!

22 Gleich danach befahl Jesus seinen Jüngern, in ihr Boot zu steigen und an das andere Ufer des Sees vorauszufahren. Er blieb zurück, um die Leute zu verabschieden.

23 Dann ging er allein auf einen Berg, um zu beten. Es wurde Nacht.

24 Weit draußen auf dem See gerieten seine Jünger in Not. Ein schwerer Sturm war losgebrochen und sie hatten große Mühe, das Boot vor dem Kentern zu bewahren.

25 Gegen vier Uhr morgens kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen.

26 Als die Jünger ihn sahen, schrien sie vor Entsetzen, weil sie dachten, es sei ein Gespenst.

27 Aber Jesus sprach sie sofort an: „Habt keine Angst! Ich bin es doch, ihr braucht euch nicht zu fürchten!“

28 Da rief Petrus: „Herr, wenn du es wirklich bist, lass mich auf dem Wasser zu dir kommen!“

29 „Komm her!“, antwortete Jesus. Petrus stieg aus dem Boot und ging Jesus auf dem Wasser entgegen.

30 Als er aber die hohen Wellen sah, bekam er Angst und im selben Augenblick begann er zu sinken. „Herr, rette mich!“, schrie er.

31 Jesus streckte ihm die Hand entgegen, ergriff ihn und sagte: „Du Kleingläubiger! Warum hast du gezweifelt?“

32 Sie stiegen ins Boot und der Sturm legte sich.

33 Da fielen sie alle vor Jesus nieder und riefen: „Du bist wirklich der Sohn Gottes!“