Viele Menschen empfinden religiöses Leben und damit einhergende Vorschriften, Regeln oder sogar Verpflichtungen als einschränkend und vielleicht sogar beklemmend. Es fühlt sich an, als wäre ein Christ, eine Muslima, ein jüdischer Mensch genauso wie ein Buddhist oder Hinduist, Bahai oder AnhängerInnen jeglicher anderer Religion und/oder Weltanschauung fremdbestimmt. Es ist nicht mehr möglich, eigene Entscheidungen zu treffen oder die Meinung ganz aus sich selbst zu beziehen – die Freiheit im Leben gehe gänzlich verloren, so denken vermutlich manche Menschen, die dem Ganzen sehr kritisch gegenüberstehen und von außen beobachten.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass der Eindruck entsteht, Religion nehme dem Leben Vielseitigkeit und Abwechslung. Es scheint, als würde nur ein Weg vorbestimmt sein und diesem folgt ein Gläubiger, wie zum Beipiel eine Christin Jesus nachfolgt und dabei nicht viele Wahlmöglichkeiten habe als dieser einen stringenten Richtung treu zu bleiben.
Manchmal frage ich mich, ob mir die Vorstellung wünschenswert erscheint, völlig frei von Vorgaben oder zumindest einer Richtschnur zu sein. Nach den christlichen Werten zu leben, fühlt sich für mich stimmig an und ich genieße die Orientierung, die sie mir geben – allgemein im Leben, aber auch in kleinen Momenten und schwierigen Entscheidungssituationen. Vermutlich würde ich mich ohne sie ganz schön „lost“ fühlen, wie Jugendliche ihren Gefühlszustand heute gerne beschreiben. Ich weiß nicht, ob ich dann von Freiheit spreche könnte, die mich glücklich macht… Ja, es wäre eine absolute Freiheit der Lebensgestaltung und jegliche irdische Option könnte ich ergreifen, ohne sie mit einem bestimmten Wertekompass abzugleichen. Doch diese Fülle ohne Anhaltspunkte irgendwie zu durchdringen und dabei eine gute Richtung und Orientierung für mich zu finden, fühlt sich – für mich persönlich – ganz schön überwältigend, überfordernd und deshalb auch beklemmend an. Die Sorge, etwas Falsches zu tun und zu entscheiden, wäre wirklich groß. Daher bin ich so dankbar für meine Beziehung zum Glauben, zu Gott, zu Jesus und dem Heiligen Geist – sie wirkt richtungsweisend, schenkt mir Orientierung und selbst wenn ich es rational überhaupt nicht begreifen kann, darf ich in Entscheidungsprozessen auf mein Bauchgefühl hören und hinspüren, wohin ich geleitet werde. Dabei gibt es keinesfalls „only one path“, denn Jesus geht alle Wege mit und fängt uns auch nach Fehlentscheidungen auf.
Thale Schmitz
Evangelium:
Mt 10, 37-42: Konsequenzen der Nachfolge
37 Wer seinen Vater oder seine Mutter, seinen Sohn oder seine Tochter mehr liebt als mich, der ist es nicht wert, mein Jünger zu sein.
38 Und wer nicht bereit ist, sein Kreuz aufzunehmen und mir nachzufolgen, der kann nicht zu mir gehören.
39 Wer sich an sein Leben klammert, der wird es endgültig verlieren. Wer es aber für mich einsetzt, der wird es finden.
40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, der nimmt Gott auf, der mich gesandt hat.
41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil er ein Prophet ist, der wird auch wie ein Prophet belohnt werden, und wer einen Menschen aufnimmt, weil dieser nach Gottes Willen lebt, der wird denselben Lohn empfangen.
42 Wer einen dieser Kleinen auch nur mit einem Schluck Wasser erfrischt, weil er zu mir gehört, wird seinen Lohn erhalten. Darauf könnt ihr euch verlassen!