Lernen wir, den Herrn in jeder Minute unseres Lebens zu suchen, da, wo wir
gerade sind, in dem, was wir sein sollen, in dem, was wir zu tun haben.
So müssen wir dahin kommen, in jeder Sekunde das Kind des Ewigen zu sein,
das Kind des unendlichen Gottes, im Bett, in dem wir schlafen, oder auf der
Straße, auf der wir gehen.
Nimm zudem von vornherein alles bereitwillig entgegen als ein Kommen des
Herrn zu dir.
Erneuere ihm – wenn es dir möglich ist – von Augenblick zu Augenblick deine
Bereitschaft, ihn zu empfangen.
Höre in dem, was man dir sagen wird, das heraus, was er dir um 14 Uhr, um 16
Uhr, um 18 Uhr sagen will.
Denn nichts anderes will er dir in diesem Augenblick sagen.
Und nimm es von vornherein an, dass vieles mehr oder weniger ‚daneben
gehen‘ wird.
Freu dich im Voraus über das, was dir gelingen wird und über das, was dir
misslingen wird.
Freu dich nicht darüber, dass du auf die Nase fällst, aber darüber, dass Gott
dabei nie einen Verlust erleidet…
Jede erbärmliche Tat kann durch ihre Sünde oder durch ihre Schwäche zu
einem Lob der Barmherzigkeit Gottes werden.
Sie kann Gott weit über das hinaus verherrlichen, was wir ihm scheinbar
entziehen, wenn wir zuinnerst bekennen, dass unser Tun schlecht war, das
Leiden des Herrn es aber schon im Voraus wieder gut gemacht hat – und dass
wir doppelt geliebt werden.
Madeleine Delbrêl
Evangelium:
Mt 9, 9-13: Ich will, dass ihr barmherzig seid
9 Als Jesus weiterging, sah er den Zolleinnehmer Matthäus am Zoll sitzen. Er forderte ihn auf: „Folge mir nach!“ Sofort stand Matthäus auf und folgte ihm nach.
10 Später war Jesus zu Tisch in seinem Haus. Matthäus hatte viele Zolleinnehmer eingeladen und andere Leute, die als Sünder galten.
11 „Weshalb isst euer Lehrer mit Zolleinnehmern und Sündern?“, fragten die Pharisäer seine Jünger.
12 Jesus hörte das und gab selbst die Antwort: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken!“
13 Und er fügte hinzu: „Begreift doch endlich, was Gott meint, wenn er sagt: „Ich will, dass ihr barmherzig seid; eure Opfer will ich nicht!“ Ich bin gekommen, um Menschen in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, die ohne ihn leben. Und nicht solche, die sich bereits an seine Gebote halten.“