30.05.2026

Impuls zum Dreifaltigkeitssonntag

Der tanzende Schmerzensmann

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! (Phil 4,4)

 

Dieses Wort aus dem Römerbrief scheint so gar nicht zu dem „Schmerzensmann“ zu passen, der in unserer Kreuzwegkapelle steht. Es ist eine aus Holz geschnitzte Figur, ca. 50 cm groß und vermutlich aus dem 14. Jahrhundert.

 

Jedes Mal, wenn ich diesen Raum betrete, kann ich nicht anders, als ihn kurz zu berühren.

Er strahlt eine Ruhe aus, die auch mich zur Ruhe kommen lässt.

Er strahlt eine Würde aus, die mich innerlich aufrichtet.

 

Sein Gesicht mit dem nach innen gerichteten Blick und den Blutspuren lassen mich die Leiden erkennen, die er durchgemacht hat.

Doch da ist auch die Spur eines stillen Lächelns auf den Lippen.

 

Mit segnend erhobenen Händen offenbart er mir seine Wundmale, doch nicht um im Leiden zu verharren, sondern um den Triumph über den Tod mit mir zu teilen.

Im wahrsten Sinne bewegend sind seine Füße.

Es scheint, als schreite er voran oder tanzt er sogar?

 

Das Leben geht weiter, verkündet er mir, auch nach dem Grauen des Kreuzweges.

Der Tod ist überlebt, das Grab durchschritten. Das „Alleluja“ der Osterfreude hat das „Kreuzige ihn“ des Karfreitags längst überjubelt.

Mich ruft dieser Christus immer wieder zur Freude heraus.

Freude, die in diesem durchlebten und überwundenen Leiden Christi verwurzelt ist.

Freue dich mit mir, sagt er mir jedes Mal, wenn ich ihn anschaue und berühre.

Zum Leben bist du berufen, zur unendlichen Freude.

  

Aus: „Meine Hoffnung Gott anvertrauen. Persönliches Beten mit den Benediktinerinnen auf Burg Dinklage, S. 127.“

 

 

Evangelium:  

Joh 3, 16-18:

16 Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird ewiges Leben haben und nicht verloren gehen. 17 Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um sie zu verurteilen, sondern um sie zu retten.

18 Wer sich zu ihm bekennt, der wird nicht verurteilt werden. Wer sich aber weigert, an den einzigen Sohn Gottes zu glauben, über den ist das Urteil schon gesprochen; denn der, an den er nicht geglaubt hat, ist Gottes eigener Sohn.