Wie lange es doch dauert, Herr, bis wir begreifen,
dass wir nur aus Erbarmen geliebt werden können;
und dass deine Wertschätzung, deine Bewunderung, dein Vertrauen uns gegenüber nur durch Erbarmen möglich sind.
Es dauert lange: Aber es kommt.
Wie ein blindes und taubes Kind zwischen den Knien seiner Mutter,
eingetaucht in Dunkel und Einsamkeit,
so entdecken wir eines Tages, wie unsere Seele
jeder Möglichkeit beraubt ist,
die ewigen Hügel zu sehen, dein Echo aus dem Paradies zu hören.
So entdecken wir unsere Seele zwischen den Knien der Vorsehung.
Dann schenkt dein Geist neue Kraft: dieser Finger an der Rechten des Vaters.
Wie die Hand einer Mutter erhellend, erziehend ihr Kind ins Leben führt.
Dein Geist leitet uns durch inneren Antrieb,
er berührt uns und zeigt uns, was ist;
lautlos umhüllt er uns und sät so in unser Herz einen Keim von Worten.
Den Worten, die wir in unserer Einsamkeit und in unserem Dunkel sprechen,
antwortet die Stille deines Geistes;
eine Stille, die so nah ist, dass sie uns ganz umhüllt und leitet.
Deshalb genügt es zu wissen, dass unsere Augen wahrhaft blind und unsere Ohren taub sind für alles, was du bist.
Madeleine Delbrêl
(Aus: Annette Schleinzer (Hrsg.): Du lebtest, und ich wusste es nicht, S. 122/123)
Evangelium:
Joh 14, 15-21: Der Geist als Helfer in Jesu Namen
15 „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. 16 Dann werde ich den Vater bitten, dass er euch an meiner Stelle jemanden schickt, der euch helfen wird und der euch nie alleinlässt: 17 den Geist der Wahrheit. Die Welt kann ihn nicht bekommen. Sie ist blind für ihn und hat deshalb kein Verständnis für ihn. Aber ihr kennt ihn, denn er ist ständig bei euch und wird einmal in unvorstellbarer Fülle in euch sein. 18 Ich lasse euch nicht wie hilflose Waisenkinder allein. Ich komme wieder zu euch. 19 Schon bald werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein und niemand wird mich mehr sehen. Nur ihr, ihr werdet mich sehen. Denn ich lebe; und weil ich lebe, werdet auch ihr leben. 20 Dann werdet ihr erkennen, dass ich ganz eins bin mit meinem Vater und dass ihr in mir lebt und ich in euch. 21 Nur wer meine Gebote annimmt und danach lebt, liebt mich wirklich, und wer mich liebt, den wird auch mein Vater lieben. Auch ich werde ihn lieben und ihm zeigen, wer ich bin.“