18.04.2026

Impuls zum 3. Ostersonntag

„Was seid ihr doch schwer von Begriff!“

Diese Aussage möchte Jesus uns sicherlich häufiger entgegenbringen, wenn er uns auf unserem Lebensweg begleitet. Ich bin überzeugt davon, dass wir einige Begegnungen mit ihm gar nicht registrieren – im positiven wie im negativen Sinne. Es kann sein, dass wir eine mögliche Chance verpassen oder eine Fügung annehmen, aber uns nicht bewusst machen, was oder wer dahintersteckt. Es ist sicherlich eine menschliche Alltagserfahrung bzw. Nicht-Erfahrung, dass Jesus ein Stück Weg mit uns geht und wir ihn nicht erkennen. Rückblickend ist es manchmal etwas einfacher zu erkennen, doch das Mysterium bleibt und Jesus ist oft inkognito unterwegs.

Wir sind genau wie die Jünger damals auf unserem Lebensweg nach Emmaus. Dieser Weg wird womöglich nie vollendet im irdischen Leben, doch er birgt tagtäglich die Möglichkeit, mit Jesus zu gehen und ihm zu begegnen.

Ich finde es sehr schön, wie die Gastfreundschaft in der Emmausgeschichte betont wird. Es geschieht doch eher selten, dass wir eine vollkommen fremde Person zu uns nach Hause und zum Bleiben einladen. Damit tue ich mich selbst auch sehr schwer, jedoch ist es ein impulsgebender Schritt, auf die vermeintlich fremden Menschen auf unseren Wegen näher einzugehen, sie bewusster wahrzunehmen und das Gespräch zu suchen.

Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (1878-1965) prägte den Satz „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ – darin steckt die Aussage, dass jede Begegnung, ob positiv oder herausfordernd, Spuren hinterlässt, uns etwas lehrt und die persönliche Weiterentwicklung fördert. Sie bietet Potenzial für Wertschätzung, Austausch und Verbindung sowie Wegweisung – vielleicht sogar auf womöglich österliche Wundererfahrungen hin.

Der erste Schritt des Erkennens ist natürlich schon eine große Challenge, doch es braucht noch einen zweiten Schritt: den Mut, daran zu glauben. Diese Schritte sind allerdings niemals endlich – wir sind und bleiben PilgerInnen auf dem Weg nach Emmaus. Und im Unterwegssein ist es auch ganz verständlich und menschlich, dass wir manchmal entrüstet, enttäuscht oder sogar verzweifelt sind. Doch auch auf diesen Wegen bzw. in besonderer Weise auf genau diesen Wegstrecken geht der Herr mit uns und wir können und dürfen ihn erkennen, die Auferstehungshoffnung spüren und  dennoch mal schwer von Begriff sein.

 

Thale Schmitz

 

Evangelium:  

Lk 24, 13–35: Begegnung mit Jesus auf dem Weg nach Emmaus

13 Am selben Tag wanderten zwei von ihnen nach Emmaus, ein Dorf, das ungefähr sechzig Stadien – das sind zehn Kilometer – von Jerusalem entfernt liegt. 14 Unterwegs redeten sie über die Ereignisse der letzten Tage. 15 Während sie miteinander sprachen, gesellte sich Jesus selbst zu ihnen und ging mit ihnen. 16 Aber ihre Augen waren wie verschlossen und sie erkannten ihn nicht. 17 „Worüber redet ihr gerade?“, fragte sie Jesus. Sie blieben traurig stehen 18 und verwundert fragte Kleopas, einer von den beiden: „Bist du der Einzige in Jerusalem, der nichts von den Ereignissen der letzten Tage weiß?“ 19 „Was ist denn geschehen?“, wollte Jesus wissen. Sie antworteten ihm: „Das mit Jesus von Nazaret. Er war ein Prophet, machtvoll in Tat und Wort vor Gott und den Menschen. 20 Aber unsere Hohepriester und die führenden Männer des Volkes haben ihn übergeben. Er wurde zum Tod verurteilt und ans Kreuz geschlagen. 21 Dabei hatten wir gehofft, dass er der von Gott versprochene Retter ist, der Israel befreit. Seit all dem ist das schon der dritte Tag! 22 Heute Morgen haben uns einige Frauen aus unserem Kreis sehr beunruhigt. Schon vor Sonnenaufgang waren sie zur Grabkammer gegangen; 23 aber sie fanden den Leichnam Jesu nicht. Die Frauen erzählten, ihnen seien Engel erschienen, die sagten: „Jesus lebt!“ 24 Einige von uns sind zur Grabkammer gelaufen. Sie fanden sie so, wie die Frauen berichtet hatten. Aber Jesus selbst haben sie nicht gesehen.“ 25 Darauf sagte Jesus zu ihnen: „Was seid ihr doch schwer von Begriff! Warum glaubt ihr nicht, was die Propheten gesagt haben? 26 Musste Christus nicht all dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?“ 27 Dann erklärte er ihnen, was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wird – ausgehend von den Büchern des Mose und den Propheten. 28 Inzwischen waren sie kurz vor Emmaus und Jesus tat so, als wolle er weitergehen. 29 Aber sie drängten ihn: „Bleib doch bei uns! Es wird schon dunkel.“ So ging er mit ihnen ins Haus. 30 Als er sich mit ihnen zum Essen gesetzt hatte, nahm er das Brot, dankte dafür, brach es und gab es ihnen. 31 Da wurden ihnen die Augen geöffnet und sie erkannten ihn. Doch er selbst verschwand vor ihren Augen. 32 Und sie sprachen zueinander: „Brannte es nicht wie Feuer in unserem Herzen, als er unterwegs mit uns sprach und uns die Heilige Schrift erschloss?“ 33 In der gleichen Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück. Dort waren die Elf und die anderen mit ihnen versammelt. 34 Von ihnen wurden sie mit den Worten begrüßt: „Der Herr wurde tatsächlich auferweckt und Simon hat ihn gesehen!“ 35 Nun erzählten auch sie, was auf dem Weg nach Emmaus geschehen war und dass sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.