Kennen Sie das Wort „FOMO“? Es ist eine Abkürzung für die Angst davor, etwas zu verpassen: Fear of missing out. Seit gut 20 Jahren ist es ein beliebtes Jugendwort und ich stelle fest, dass ich es teilweise selbst gebrauche und in meinem privaten Umfeld sogar sehr häufig höre. Verpassensängste sowie die Angst vor falschen Entscheidungen bewegen viele Menschen und manchmal ist es gar nicht greifbar, was genau womöglich verpasst werden könnte. Natürlich treffen wir ständig im Alltag Entscheidungen, die immer auch ihre Konsequenzen mit sich ziehen: Denn wenn ich mich für die eine Veranstaltung am Abend entscheide, verpasse ich eben die andere und ich kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Sicherlich hat jede Entscheidung jedoch ihr Gutes und jede Erfahrung macht uns reicher. FOMO beschreibt für viele – in meinem Verständnis – eine wirkliche Sorge, große und unwiederbringliche Ereignisse zu missen und daher ist es ein wirklich belastendes Empfinden. Ich denke, dass es sehr befreiend sein kann, sich von diesen Bedenken und Zweifeln nicht vollkommen einnehmen zu lassen, sondern in sich zu gehen und auf das Bauchgefühl zu hören. Im Rückblick war es für mich immer die richtige Art und Weise, eine gute Entscheidung zu treffen und Verpassensängste einzunorden und nicht zu groß werden zu lassen. Auch wenn ich früher tatsächlich als Lösungsstrategie die äußerst stressige Variante gewählt habe, so viel wie möglich hintereinander zu unternehmen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Jünger Thomas dieses intensive Gefühl erlebt hat. Er wird es nicht FOMO genannt haben, aber was er da verpasst hat, ist wirklich schmerzlich. Die Erscheinung seines totgeglaubten Herrn hat ausgerechnet stattgefunden, als er nicht dabei war. Vielleicht hat er auch deshalb erst einmal abgestritten, was die anderen Jünger ihm erzählt haben. Es war eine wahre Geduldsprobe von acht Tagen, bis auch er den auferstandenen Jesus wiedersehen darf und er ihm den Frieden wünscht. Diesen Frieden hat Thomas vermutlich ganzheitlich gespürt, denn zuvor ist er bestimmt richtig kribbelig gewesen aufgrund der verpassten Chance zuvor. Es wäre sogar denkbar, dass er sich sehr gegrämt hat, dass er wegen falscher Planung bei der ersten Erscheinung nicht dabei gewesen ist. Doch er wird reichlich belohnt und darf sogar die Wundmale Jesu berühren.
Von Thomas dürfen wir lernen: Es gibt immer eine neue Chance und wir brauchen keine FOMO haben. Denn Gott durchkreuzt unsere Pläne, bevor sie uns nachhaltig durchkreuzen.
Thale Schmitz
Evangelium:
Joh 20, 19–31: Jesus zeigt sich seinen Jüngern/Der Glaube des Thomas
19 An diesem Sonntagabend hatten sich Jünger versammelt. Aus Angst vor denen, die auch Jesus gefangen genommen hatten, ließen sie die Türen fest verschlossen. Plötzlich war Jesus bei ihnen. Er trat in ihre Mitte und grüßt sie: „Friede ist mit euch!“ 20 Dann zeigte er ihnen die Wunden an seinen Händen und seiner Seite. Da wurden die Jünger von großer Freude erfüllt, als sie ihren Herrn sahen. 21 „Friede ist mit euch!“, sagte Jesus noch einmal zu ihnen. „Wie mich der Vater in diese Welt gesandt hat, so sende ich jetzt euch in die Welt!“ 22 Dann hauchte er sie an und spricht: „Empfangt Heiligen Geist! 23 Wem ihr die Sünden erlasst, dem sind sie erlassen. Und denen ihr die Sünden behaltet, sind sie behalten.“
24 Thomas, einer der zwölf Jünger, der auch Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Deshalb erzählten sie ihm später: „Wir haben den Herrn gesehen!“ Doch er gab zur Antwort: „Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen gesehen und sie mit meinen Fingern gefühlt habe und wenn ich meine Hand nicht in die Wunde an seiner Seite gelegt habe, werde ich es nicht glauben.“
26 Acht Tage später hatten sich die Jünger wieder versammelt. Diesmal war Thomas bei Ihnen. Und obwohl die Türen abgeschlossen waren, steht Jesus auf einmal in ihrer Mitte und grüßte sie: „Friede ist mit euch!“ 27 Dann wendet er sich an Thomas: „Leg deinen Finger hierher! Schau auf meine durchbohrten Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in die Wunde an meiner Seite und sei nicht mehr ohne Vertrauen, sondern vertraue!“ 28 Thomas antwortete nur: „Mein Herr und mein Gott!“ 29 Und Jesus fügt hinzu: „Du glaubst jetzt, weil du mich gesehen hast. Wirklich glücklich zu nennen sind die, die mich nicht sehen und trotzdem glauben!“