Wenn ich am Palmsonntag an den Einzug Jesu in Jerusalem denke, entstehen sehr harmonische und fröhliche Bilder vor meinem inneren Auge. Die Menschen freuen sich über Jesus, sie loben und preisen ihn und es scheint, dass die ganze Stadt auf den Beinen ist, um ein großes Straßenfest zu feiern.
Doch auch wenn sie im Evangeliumstext nicht deutlich erwähnt werden, gibt es auch diejenigen in Jerusalem, die Jesus sehr kritisch bis hin zu ablehnend gegenüberstehen. Sie werden auch am Rand gestanden haben und sich geärgert haben über den Jubel, der Jesus zuteil wird. Vielleicht hätten sie ihn sogar am liebsten direkt vom Esel gerissen und fortgebracht aus Jerusalem. Diese konträren Emotionen beim Einzug Jesu in Jerusalem spiegeln die sich anbahnende Stimmung der Kar- und anschließenden Ostertage wider. Der ausgelassene Jubel passt nicht wirklich in diese Woche und auch mit Blick auf das Weltgeschehen, der zahlreichen Kriege und drohenden Eskalationen ist vielen Menschen vermutlich nicht nach Feiern und Leichtigkeit zumute.
Irgendwie konträr aber auch doch passend ist es, dass wir an Palmsonntag die Leidensgeschichte Jesu lesen. Da steckt alles drin, was auch wir kennen als Außenstehende, Involvierte oder sogar Betroffene von Leid und Gewalt. ,
Der Ruf „Hosanna“, den die Menschen Jesus begeistert entgegenjubeln, ist gleichzeitig ein Bitt- und Hilferuf. Denn Hosanna bedeutet „Bring doch Hilfe!“. Jubel, Bitte und Hilfe sowie Hoffnung und Vertrauen in einem Wort vereint. Es könnte uns zu einer Art Stoßgebet werden. „Hosanna“ – wenn wir traurig und verzweifelt sind; „Hosanna“ – wenn wir glücklich und erleichtert sind; „Hosanna“ – wenn wir Angst und Sorgen tragen; „Hosanna“ – wenn wir im tiefen Vertrauen und mit Heilsgewissheit durch das Leben gehen.
Mit dem Einzug Jesu in Jerusalem beginnt die Kar- und Osterwoche. Er weiß ganz genau, was alles auf ihn wartet: emotionale Gespräche und „Sternstunden“ mit seinen Begleiter*innen, genauso wie enttäuschende und verletzende Momente mit ihm nahestehenden Menschen. Er wird Todesangst durchleiden und Abschiede verkraften müssen. Genauso muss er den Schmerz seiner Mutter ertragen und sie vorerst zurücklassen.
Trotzdem oder gerade deshalb zieht er zielgerichet in Jerusalem ein, denn Gott ist mit ihm.
Thale Schmitz
Evangelium:
Mt 21, 1-11: Jesus wird als König empfangen
1 Nachdem Jesus in die Nähe von Jerusalem gekommen war, erreichte er Betfage am Ölberg. Jesus schickte zwei Jünger mit dem Auftrag voraus: 2 „Wenn ihr in das Dorf kommt, werdet ihr dort eine Eselin mit ihrem Fohlen finden. Bindet sie los und bringt sie zu mir. 3 Sollte euch jemand fragen, was ihr vorhabt, dann sagt einfach: „Der Herr braucht sie.“ Dann wird er sie euch sofort geben.“ 4 Damit erfüllte sich das Prophetenwort: 5 „Sagt dem Volk von Jerusalem: „Dein König kommt zu dir. Er ist sanft und friedfertig. Er reitet auf einem Esel und einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.““ 6 Die Jünger führten aus, was Jesus angeordnet hatte. 7 Sie brachten die Tiere zu ihm, legten ihre Mäntel über sie und Jesus setzte sich darauf. 8 Viele Menschen breiteten ihre Kleider als Teppich vor ihm aus, andere rissen Zweige von den Bäumen und legten sie auf den Weg. 9 Vor und hinter ihm drängten sich die Menschen und riefen: „Hosanna, gelobt ist Gott, gepriesen ist der Sohn Davids! Gepriesen ist, der im Auftrag des Herrn kommt! Hosanna, gelobt ist Gott im Himmel!“ 10 Als er in Jerusalem einzog, bebte die ganze Stadt: „Wer ist dieser?“, fragten die Leute. 11 „Das ist Jesus, der Prophet aus Nazaret in Galiläa“, riefen die Menschen, die ihn begleiteten.