Eine wirklich schlechte Eigenschaft von mir ist es, in plötzlichen Ausnahmesituationen sofort handeln zu wollen. Ich bekomme Angst und die innere Anspannung ist so groß, dass ich irgendetwas tun muss, um nicht das Gefühl zu bekommen, die Kontrolle zu verlieren. Die größte Sorge dabei ist, dass ich sozusagen eine Chance bzw. Lösungsmöglichkeit verpasse, weil ich nicht schnell genug war. In diesem Wissen um meine Unzulänglichkeit bewundere ich Jesus, der von der schweren Krankheit von Lazarus hört, den er lieb hat, und dennoch zwei Tage fernbleibt und vertrauensvoll abwarten kann. Nach dieser Zeit geht er entschlossen los und verfolgt den Plan Gottes, indem er Lazarus von den Toten auferweckt und ihn aus seinem Grab herausruft. Es erscheint wohlüberlegt und vermutlich in Ruhe mit Gott abgesprochen und im Herzen bewegt.
Ich möchte davon lernen und das Bedürfnis, immer sofort handeln zu wollen, ruhigstellen. Vielmehr ist es das Ziel, Ruhe zu bewahren und sich zu besinnen, um dann mit klarem Kopf eine Entscheidung zu fällen, ob überhaupt eine Handlung notwendig ist. Viel zu oft übernehme ich auch Verantwortungen, die gar nicht meine sind und statt innerlich total gestresst zu reagieren, dürfte ich mich zurücklehnen und einfach abwarten, was passiert und darauf vertrauen, dass andere es im Blick behalten. Gott behält sowieso immer die Kontrolle und hält seine gütigen Hände ganz weit geöffnet, sodass wir jederzeit hineinfallen können. Und selbst wenn wir etwas verzögert feststellen, dass es doch dran gewesen wäre, in Handlung zu treten, ist es nicht zu spät. Wir können jederzeit einen Gedanken in die Tat umsetzen – noch gezielter, wenn wir es wohlüberlegt haben und im Gebet vor Gott gebracht haben.
Hoffnung bleibt allezeit! Sie geht nie verloren und auch wenn wir auf dem falschen Weg unterwegs sind, geht Jesus mit und zeigt uns die nächste Kreuzung oder den nächsten Wendehammer, um umzukehren. Dafür ist es nie zu spät!
Manchmal brauchen wir nur abzuwarten, bis der Zug von selbst wieder in Bewegung kommt.
Wir warten voll Vertrauen und plötzlich kommt eine Durchsage und wir werden abgeholt. Vielleicht ist dies ein passendes Sinnbild, dass Jesus uns – auch mal mit hoher Verspätung – erst einsammelt und uns dann zum Ziel begleitet.
Thale Schmitz
Evangelium:
Joh 11, 1–45: Die Auferweckung des Lazarus
1 Es lag aber einer krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf Marias und ihrer Schwester Marta. 2 Maria aber war es, die den Herrn mit Salböl gesalbt und seine Füße mit ihrem Haar getrocknet hatte. Deren Bruder Lazarus war krank. 3 Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: Herr, siehe, der, den du lieb hast, liegt krank. 4 Als Jesus das hörte, sprach er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde. 5 Jesus aber hatte Marta lieb und ihre Schwester und Lazarus. 6 Als er nun hörte, dass er krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. 7 Danach spricht er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa ziehen! 8 Die Jünger aber sprachen zu ihm: Rabbi, eben noch wollten die Juden dich steinigen, und du willst wieder dorthin ziehen? 9 Jesus antwortete: Hat nicht der Tag zwölf Stunden? Wer bei Tage umhergeht, der stößt sich nicht; denn er sieht das Licht dieser Welt. 10 Wer aber bei Nacht umhergeht, der stößt sich; denn es ist kein Licht in ihm. 11 Das sagte er, und danach spricht er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft, aber ich gehe hin, dass ich ihn aufwecke. 12 Da sprachen die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, wird’s besser mit ihm. 13 Jesus aber sprach von seinem Tode; sie meinten aber, er rede von der Ruhe des Schlafs. 14 Da sagte ihnen Jesus frei heraus: Lazarus ist gestorben; 15 und ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht da gewesen bin, auf dass ihr glaubt. Aber lasst uns zu ihm gehen! 16 Da sprach Thomas, der Zwilling genannt wird, zu den anderen Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben! 17 Da kam Jesus und fand Lazarus schon vier Tage im Grabe liegen. 18 Betanien aber war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. 19 Viele Juden aber waren zu Marta und Maria gekommen, sie zu trösten wegen ihres Bruders. 20 Als Marta nun hörte, dass Jesus kommt, ging sie ihm entgegen; Maria aber blieb im Haus sitzen. 21 Da sprach Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. 22 Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. 23 Jesus spricht zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 24 Marta spricht zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am jüngsten Tage. 25 Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe; 26 und wer da lebt und glaubt an mich, der wird nimmermehr sterben. Glaubst du das? 27 Sie spricht zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt. 28 Und als sie das gesagt hatte, ging sie hin und rief ihre Schwester Maria und sprach heimlich zu ihr: Der Meister ist da und ruft dich. 29 Als Maria das hörte, stand sie eilends auf und kam zu ihm. 30 Jesus aber war noch nicht in das Dorf gekommen, sondern war noch dort, wo ihm Marta begegnet war. 31 Als die Juden, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, sahen, dass Maria eilends aufstand und hinausging, folgten sie ihr, weil sie dachten: Sie geht zum Grab, um dort zu weinen. 32 Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und sah ihn, fiel sie ihm zu Füßen und sprach zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. 33 Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr kamen, ergrimmte er im Geist und erbebte 34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sprachen zu ihm: Herr, komm und sieh! 35 Und Jesus gingen die Augen über. 36 Da sprachen die Juden: Siehe, wie hat er ihn so lieb gehabt! 37 Einige aber unter ihnen sprachen: Er hat dem Blinden die Augen aufgetan; konnte er nicht auch machen, dass dieser nicht sterben musste? 38 Da ergrimmte Jesus abermals und kommt zum Grab. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag davor. 39 Jesus spricht: Hebt den Stein weg! Spricht zu ihm Marta, die Schwester des Verstorbenen: Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen. 40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da hoben sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich wusste, dass du mich allezeit hörst; aber um des Volkes willen, das umhersteht, sagte ich’s, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Als er das gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Und der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch. Jesus spricht zu ihnen: Löst die Binden und lasst ihn gehen! 45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was Jesus tat, glaubten an ihn.