Schuld und Schuldzuweisungen sind unter uns Menschen leider ein häufiges Thema. Ärgernisse führen zu Provokationen und niemand möchte Verantwortung für Missgeschicke oder sogar Boshaftigkeiten übernehmen. Oft ist es Angst, die dahinter steckt, doch die damit einhergehende Schuldabweisung schützt vor der Verantwortung für das Geschehene nicht. Vielleicht gelingt es manchmal im irdischen Kontext, doch im Überirdischen bei Gott können wir uns keiner Verantwortung in Bezug auf unser Denken und Handeln entziehen. Das soll gar nicht bedrohlich klingen, sondern aufzeigen, dass wir verantwortlich sind und bleiben. Vermutlich kennen wir alle auch Erfahrungen, in denen wir uns geschickt aus einer kleinen oder großen Verantwortung gezogen haben. Das fühlt sich in der Situation vielleicht befreiend an, aber wenn es nicht rechtmäßig war, bleibt ein ungutes, friedloses Gefühl.
Das Evangelium zum 4. Fastensonntag ist (wie unten zu sehen) sehr lang und beinhaltet viele Themen und Handlungsstränge. Zusammengefasst geht es jedoch um die wundersame Heilung eines blinden Mannes, über die sich theoretisch einfach nur gefreut werden könnte. Allerdings liegt der Schwerpunkt schon ganz zu Beginn auf dem Thema Schuld, denn die Jünger Jesu gehen davon aus, dass eine Sünde vorliegt, die die Blindheit zur Folge hatte. Nach der Heilung sind es die Pharisäer, die einen „Schuldigen“ suchen und Verhöre anstellen. Es erschrickt mich, dass die Eltern des Geheilten aus Angst auf ihren Sohn verweisen, anstatt die Verantwortung zu übernehmen und ehrlich Antwort zu geben. Natürlich ist es sehr verständlich und menschlich, aus Angst vor Ausschluss oder sogar Gewalt und Bedrohung von sich abzulenken, doch ist es sicherlich nicht richtig, dafür jemand anderen zu gefährden. Es ist unendlich schwer und vor allem sehr mutig, dem zu widerstehen. Vielleicht ist es eine Möglichkeit, den Vers 6 aus Psalm 118 in solchen Momenten und auch darüber hinaus zu meditieren:
Der HERR ist auf meiner Seite, ich brauche mich vor nichts und niemandem zu fürchten. Was kann ein Mensch mir schon antun? (Psalm 118,6 – Hoffnung für alle)
Diese Ermutigung kann uns die nötige Kraft und den Mut schenken, ehrlich Verantwortung zu übernehmen und nicht von uns abzulenken.
„Euer Ja sei ein Ja und euer Nein ein Nein!“ (Matthäus 5, 37)
Thale Schmitz
Evangelium:
Johannes 9, 1-41: Die Heilung eines Blindgeborenen
1 Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. 2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? 3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. 4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. 5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. 6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden 7 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder. 8 Die Nachbarn nun und die, die ihn zuvor als Bettler gesehen hatten, sprachen: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9 Einige sprachen: Er ist’s; andere: Nein, aber er ist ihm ähnlich. Er selbst aber sprach: Ich bin’s. 10 Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen aufgetan worden? 11 Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich ihn auf meine Augen und sprach: Geh zum Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend. 12 Da fragten sie ihn: Wo ist er? Er sprach: Ich weiß es nicht. 13 Da führten sie den, der zuvor blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14 Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Brei machte und seine Augen öffnete. 15 Da fragten ihn auch die Pharisäer, wie er sehend geworden wäre. Er aber sprach zu ihnen: Einen Brei legte er mir auf die Augen, und ich wusch mich und bin nun sehend. 16 Da sprachen einige der Pharisäer: Dieser Mensch ist nicht von Gott, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sprachen: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es entstand Zwietracht unter ihnen. 17 Da sprachen sie wieder zu dem Blinden: Was sagst du von ihm, dass er deine Augen aufgetan hat? Er aber sprach: Er ist ein Prophet. 18 Nun glaubten die Juden nicht von ihm, dass er blind gewesen und sehend geworden war, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war, 19 und sie fragten sie und sprachen: Ist das euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren? Wieso ist er nun sehend? 20 Da antworteten seine Eltern und sprachen: Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21 Aber wieso er nun sehend ist, wissen wir nicht, und wer ihm die Augen aufgetan hat, wissen wir auch nicht. Fragt ihn, er ist alt genug; lasst ihn für sich selbst reden. 22 Das sagten seine Eltern, denn sie fürchteten sich vor den Juden. Denn die Juden hatten sich schon geeinigt: Wenn jemand ihn als den Christus bekennt, der soll aus der Synagoge ausgestoßen werden. 23 Darum sprachen seine Eltern: Er ist alt genug, fragt ihn selbst. 24 Da riefen sie noch einmal den Menschen, der blind gewesen war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25 Er antwortete: Ist er ein Sünder? Das weiß ich nicht; eins aber weiß ich: dass ich blind war und bin nun sehend. 26 Da fragten sie ihn: Was hat er mit dir getan? Wie hat er deine Augen aufgetan? 27 Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt’s nicht gehört! Was wollt ihr’s abermals hören? Wollt ihr auch seine Jünger werden? 28 Da schmähten sie ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Moses Jünger. 29 Wir wissen, dass Gott mit Mose geredet hat; woher aber dieser ist, wissen wir nicht. 30 Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Das ist verwunderlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist; und er hat meine Augen aufgetan. 31 Wir wissen, dass Gott die Sünder nicht erhört; sondern den, der gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den erhört er. 32 Von Anbeginn der Welt an hat man nicht gehört, dass jemand einem Blindgeborenen die Augen aufgetan habe. 33 Wäre dieser nicht von Gott, er könnte nichts tun. 34 Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren und lehrst uns? Und sie stießen ihn hinaus. 35 Jesus hörte, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Und als er ihn fand, fragte er: Glaubst du an den Menschensohn? 36 Er antwortete und sprach: Herr, wer ist’s, auf dass ich an ihn glaube? 37 Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn ja gesehen, und der mit dir redet, der ist’s. 38 Er aber sprach: Herr, ich glaube. Und er betete ihn an. 39 Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf dass die da nicht sehen, sehend werden, und die da sehen, blind werden. 40 Das hörten einige der Pharisäer, die bei ihm waren, und sprachen zu ihm: Sind wir denn auch blind? 41 Jesus sprach zu ihnen: Wärt ihr blind, so hättet ihr keine Sünde; weil ihr aber sagt: Wir sind sehend, bleibt eure Sünde.