Im innersten Kern unseres Wesens gibt es einen Punkt, klein wie ein Nichts, an den Sünde und Illusion nicht zu rühren vermögen. Es ist der Punkt der lauteren Wahrheit, ein Punkt oder Funke, der ganz Gott gehört. Nie können wir über diesen Punkt verfügen, sondern Gott fügt von diesem Punkt aus unser Leben. Er lässt sich nicht von den Phantasien unseres eigenen Geistes erreichen, er lässt sich nicht mit gewalttätigem eigenem Wollen erobern. Dieser kleine Punkt der Nichtigkeit und der absoluten Armut ist der Punkt der reinen Herrlichkeit Gottes in uns. Er ist sozusagen der Name Gottes, der in unser innerstes Wesen geschrieben ist, als unsere Armut, als unsere Bedürftigkeit, als unsere Abhängigkeit, als unsere Gottessohnschaft. Er ist wie ein reiner Diamant und funkelt vom unsichtbaren Licht des Himmels. Er steckt in jedem Menschen, und wären wir imstande, ihn zu sehen, dann würden wir sehen, dass Milliarden solcher Lichtpunkte sich zum Gesicht und zum Strahlen einer Sonne vereinigen, die alle Dunkelheit und alle Grausamkeit des Lebens restlos verscheuchen würde. Ich kenne kein Programm dafür, wie man dahin kommen kann, das zu sehen. Es kann einem nur geschenkt werden. Aber das Tor zum Himmel ist überall.
(Aus: „Ein Tor zum Himmel ist überall“, 1979)
Thomas Merton
(1915-1968, US-amerikanischer Trapisten-Mönch, Schriftsteller und Mystiker)
Evangelium:
Mt 5, 13-16: Salz und Licht: Die Aufgabe in der Welt
13 „Ihr seid das Salz, das die Welt vor Fäulnis bewahrt und dem Leben Würze verleiht. Aber so wie das Salz nutzlos ist, wenn es unbrauchbar wird und seine Kraft verliert, so seid auch ihr nutzlos und man wird über euch hinweggehen, wenn ihr eure Aufgabe in der Welt nicht erfüllt.
14 Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt. Eine Stadt, die hoch auf dem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.
15 Man zündet auch keine Lampe an und deckt sie dann zu. Im Gegenteil, man stellt sie so auf, dass sie allen im Haus Licht gibt.
16 Genauso soll auch euer Licht vor allen Menschen leuchten. Sie sollen eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel dafür loben.“