27.09.2025

Impuls zum 26. Sonntag im Jahreskreis

In seinen Armen geborgen

Lazarus liegt im Himmel in Vater Abrahams Armen geborgen – was für eine wohlige Vorstellung für das ewige Leben nach dem Tod. Vielleicht liest sich das Evangelium für den einen oder die andere eher bedrohlich, denn Himmel und Hölle liegen womöglich sehr nah beieinander und sind doch durch einen tiefen Abgrund unüberwindbar voneinander getrennt. Sicherlich nehme ich beim Lesen auch die Botschaft mit, dass mein Handeln auf Erden und mein irdisches Wirken Einfluss auf mein Leben nach dem Tod bei Gott – oder auch nicht bei Gott – haben. Doch es erfüllt mich mit großer Hoffnung und Zuversicht, dass ich mit meinen Versuchen, in der Nachfolge Jesu und nach seiner Lehre zu leben, darauf hoffen darf, dass ich nach dem Tod bei ihm sein kann und mich womöglich wie Lazarus in seinen Armen geborgen wiederfinden mag. Auch wenn ich keinesfalls unglücklich mit meiner aktuellen Lebenssituation bin, gibt es doch Dinge in meinem Leben, die mich belasten und unter denen ich leide – sowohl körperlicher als auch seelischer Art. Dass diese mich im Himmel bei Gott nicht mehr beschweren werden und vergessen sind in seiner Geborgenheit, all das löst in mir eine Sehnsucht aus, die mich von Angstgedanken vor dem Tod befreit und mich sehr hoffnungsvoll stimmt.

Dazu fällt mir ein Vers aus dem Johannesevangelium ein – hier in der Einheitsübersetzung:

In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt. (Joh 16, 33b)

In der Lutherbibel (2017) heißt es: In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (Joh 16, 33b)

Und noch eine dritte von mir favorisierte Übersetzung aus dem Neuen Testament in der Sprache unserer Zeit: In der Welt werdet ihr von allen Seiten bedrängt; aber lasst euch nicht entmutigen und vertraut darauf: Ich habe die Welt besiegt! (Joh 16, 33b)

Dieser Vers ist in all seinen Facetten und verschiedenen Übersetzungen so tröstlich – gerade für die Menschen, die in der Welt so viel Leid erleben müssen/mussten und denen wie Lazarus auf der Welt keine Gnade, Güte oder Barmherzigkeit zuteil wird und wurde.

Ich wünsche Ihnen und euch allen, dass diese himmlische Voraussage auch in den schwersten Zeiten und Stürmen im Leben Hoffnung und Zuversicht hervorbringt und Kraft schenkt zum Weitermachen.

 

Thale Schmitz

 

Evangelium:

Lk 16, 19–31: Das Gesetz und die Propheten genügen

19 „Da lebte einmal ein reicher Mann“, erzählte Jesus. „Er war immer vornehm gekleidet und konnte sich Tag für Tag jeden Luxus leisten.

20 Vor dem Portal seines Hauses aber lag ein Mann namens Lazarus, bettelarm und schwer krank. Sein Körper war über und über mit Geschwüren bedeckt.

21 Er hätte seinen Hunger gern mit den Überresten gestillt, die vom Tisch des Reichen abfielen. Aber niemand gab sie ihm. Stattdessen kamen die Hunde und leckten seine offenen Wunden.

22 Lazarus starb und die Engel brachten ihn an den Ort, wo das ewige Freudenmahl gefeiert wird. Auch der reiche Mann starb und wurde begraben.

23 Als er im Totenreich unter Qualen erwachte, blickte er auf und erkannte in weiter Ferne Abraham und – in seinen Armen geborgen – Lazarus.

24 „Vater Abraham“, rief der Reiche laut, „hab Mitleid mit mir! Schick mir doch Lazarus! Er soll seine Fingerspitze ins Wasser tauchen und damit meine Zunge kühlen. Ich leide in diesen Flammen furchtbare Qualen!“

25 Aber Abraham erwiderte: „Erinnere dich! Du hast in deinem Leben alles gehabt, Lazarus hatte nichts. Jetzt geht es ihm gut und du musst leiden.

26 Außerdem liegt jetzt zwischen uns ein tiefer Abgrund. Niemand kann von der einen Seite zur anderen kommen, selbst wenn er es wollte.“

27 „Vater Abraham“, bat jetzt der Reiche, „dann schick Lazarus doch wenigstens in mein Elternhaus, zu meinen fünf Brüdern.

28 Er soll sie warnen, damit sie nach ihrem Tod nicht auch an diesen qualvollen Ort kommen.“

29 Aber Abraham entgegnete: „Deine Brüder haben das Gesetz des Mose und die Schriften der Propheten – das reicht. Auf die sollen sie hören!“

30 Der Reiche widersprach: „Nein, Vater Abraham, das genügt nicht! Erst wenn einer von den Toten zu ihnen käme, würden sie glauben und ihr Leben ändern.“

31 Doch Abraham blieb dabei: „Wenn sie nicht auf Mose und die Propheten hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.““