„Christsein ist die Kunst, durch die eigene Anwesenheit den Anderen in seiner Einmaligkeit zum Vorschein zu bringen.“ (Jesuit Christoph Theobald)
Dieses Zitat habe ich mir aus meinen letzten Exerzitien mitgenommen und bin inspiriert davon, wie wir Menschen in positiver Weise aufeinander einwirken und „den Anderen in seiner Einmaligkeit zum Vorschein bringen“ können. Durch meine eigene Anwesenheit darf ich mein Gegenüber ganz einmalig wahrnehmen und hervorbringen.
Jesus bringt sich in ganz besonderer Weise zum Vorschein und seine Einmaligkeit ist unumstritten. Doch welche Rolle spielen die Jünger in dieser Szene? Vielleicht haben auch sie Einfluss darauf, dass Jesus sich auf diese Weise zeigen kann. Jesus war allen Menschen zugewandt und jedem und jeder authentisch und echt gegenüber. Dennoch standen seine Jünger ihm noch näher und sie begleiteten ihn Tag für Tag, sodass eine Intensität sowie Intimität zwischen ihnen und Jesus entstanden war.
Die Verklärung erleben allein die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes. Jesus wählte genau sie aus und nahm sie mit auf einen hohen Berg, um sich vor ihnen zu verklären. Nur diesen drei wird das Wunder zuteil, Jesus schon im irdischen Leben in himmlischer Herrlichkeit ganz real zu sehen. Sie dürfen die Begegnung Jesu mit den alten Propheten Elija und Mose erleben und dann sogar noch Gottes Stimme selbst aus der Wolke hören, die Jesus zu Gottes geliebtem Sohn deklariert. Es ist kein Wunder, dass sie nach diesem Ereignis erst einmal verwirrt und überfordert waren. Und dennoch sind Petrus, Jakobus und Johannes nicht einfach teilnahmslos und passiv in dieser Szene – vielleicht war ihre Anwesenheit für Jesus sogar relevant und notwendig. Durch ihre Treue und ihr Vertrauen ihm gegenüber waren sie überhaupt dazu fähig, Jesus nachzufolgen und auch in diesem Moment mit ihm auf den Berg zu steigen. Sie stehen hier im Hintergrund und sind doch so wichtig in dieser Szene.
Die gegebene Situation ließ Jesus durch seine treuen Weggefährten in seiner Einmaligkeit zum Vorschein bringen und stiftete noch mehr Klarheit und Beziehung. Noch waren Petrus, Jakobus und Johannes keine Christen im eigentlichen Sinne, aber genau sie waren es, die uns die Nachfolge Jesu in so wahrhaftiger Weise vorlebten.
Thale Schmitz
Evangelium:
Mk 9, 2-10: Ausgewählte Jünger erfahren die Herrlichkeit Jesu
2 Sechs Tage später ging Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg. Nur sie allein. Da veränderte sich vor ihren Augen plötzlich sein Aussehen.
3 Seine Kleider wurden strahlend weiß, heller als irgendetwas Vergleichbares auf dieser Erde. 4 Und plötzlich wurden Elija und mit ihm Mose für sie sichtbar und redeten mit Jesus.
5 Petrus sagte zu Jesus: „Rabbi, Meister! Wir wollen drei Zelte aufschlagen, eines für dich, eines für Mose und eines für Elija.“
6 Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte, denn er und die beiden anderen waren vor Schreck völlig verwirrt.
7 Da fiel der Schatten einer Wolke über sie und aus der Wolke hörten sie eine Stimme: „Dies ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören!“
8 Als sich die Jünger umsahen, waren sie plötzlich mit Jesus allein.
9 Während sie den Berg hinabstiegen, befahl ihnen Jesus: „Erzählt keinem, was ihr gesehen habt, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist!“
10 Diese Worte Jesu beschäftigten die Jünger und sie überlegten gemeinsam, was Jesus wohl damit gemeint hatte, als er von der Auferstehung von den Toten sprach.